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Wie finde ich den richtigen Coach?

17.09.2009

Online-Coach-Check des Harvard Business Manager mit teilweise eigenwilligen Musterlösungen.

Ein professioneller Coach kann helfen, Probleme im Arbeitsalltag zu lösen, die Karriere voranzutreiben und die eigene Persönlichkeit weiterzuentwickeln. „Doch wie erkennen Sie einen guten Trainer? Woher wissen Sie, was effektives Coaching ausmacht?“ So fragt HBM-Autorin Christina Kestel in der Online-Ausgabe des Harvard Business Manager. Der folgende Coach-Check, der in Zusammenarbeit mit dem Hamburger Managementberater Rüdiger Klepsch entwickelt wurde, soll aufzeigen, worauf es bei einem guten Coaching ankommt. – Und verwirrt gelegentlich.

Das beginnt schon mit der Überschrift: „Überprüfen Sie Ihre Trainerwahl!“ Denn dass Coachs und Trainer dasselbe seien, wird wohl nur von einem Teil des Markts behauptet. Aber auch die „richtigen“ Antworten, die man als Auflösung erhält, überraschen gelegentlich. Der „Check“ besteht aus 13 Fragen, zu denen jeweils drei Aussagen präsentiert werden, für die man sich entscheiden muss:

  • So lautet Frage 4: „Wer hat in den Gesprächen die Kontrolle: Sie oder der Coach?“ Wer hier antwortet: „Die Kontrolle hat der Coach – aber die Inhalte stammen von mir“ wird eines Besseren belehrt: „Richtige Antwort: Ich. Schließlich geht es ja auch um meine Belange.“ Auf die Erläuterung des HBR oder von Managementberater Klepsch darf man gespannt sein, in der einschlägigen Fachliteratur kann man es genau umgekehrt lesen.
  • „Darf Ihr Coach die Grenze zwischen beruflicher und privater Ebene gelegentlich etwas verwischen?“, lautet Frage 6. Wer hier der Meinung ist, „Ja, denn es schafft Vertrauen, wenn der Coach auch etwas von sich erzählt“, wird ebenfalls gerüffelt: „Richtige Antwort: Nein. Ein Coach sollte strikt zwischen beruflicher und privater Ebene trennen.“ Auch dies dürften weite Kreise im Coaching anders sehen können. Einmal abgesehen von der vielleicht wichtigeren Fragestellung, wie viel Privates des Klienten im Coaching-Prozess eine Rolle spielen soll oder kann, die nicht gestellt wird.
  • Frage 7: „Wie viel Prozent Redeanteil sollten Sie während einer Coaching-Sitzung haben?“ Wagen Sie es nicht, weniger als „90 Prozent“ zu antworten. Das gibt nämlich Punktabzug.
  • Frage 8: „Das Wichtigste an einem Coach ist, dass er Ihnen die richtigen Ratschläge geben kann.“ Wer meint, mit der salomonischen Antwort: „Ein guter Coach sollte sowohl gute Ratschläge geben, als auch gut zuhören können“, durchzukommen, irrt. HBR lässt nur die Antwort: „Nein. Das Wichtigste ist, dass der Coach gut zuhören kann“ als richtig gelten. Auch da haben wir schon gut begründete, anderslautende Antworten gelesen, beispielsweise von Dr. Astrid Schreyögg in der Kontroverse über Ratschläge im Coaching im Coaching-Magazin 1/2008.
  • Auch die Musterantwort auf Frage 11 verwundert: „Die konkrete Umsetzung der Erkenntnisse aus dem Coaching ist nicht Aufgabe des Coachs“, lautete das Statement. HBR widerspricht strikt: „Stimmt nicht. Ein guter Coach sollte mir bei der konkreten Umsetzung der gewonnenen Erkenntnisse helfen.“ Dass da mal niemand seine Kompetenzen überschreitet, dem Super-Nanny-Syndrom erliegt und sich Führungsaufgaben delegieren lässt, werden gestandene Coachs dagegenhalten können.

Wenn man bei fünf von 13 Fragen begründet anderer Meinung sein kann als HBR, mag sich der Leser allerdings fragen, welchen Wert ein solcher Check haben soll? Und eher planlos erscheint zum Schluss der Auswertung die Aufforderung: „Wiederholen Sie den Coach-Check!“ Was soll das denn bringen? (tw)

Weitere Informationen:
www.harvardbusinessmanager.de/strategien/artikel/a-638609.html

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