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13.11.2009

Bertelsmann Stiftung: Ein Drittel aller Erwerbstätigen klagt über psychische Belastungen.

„Durch die Krise sind nicht nur Billionenbeträge verloren gegangen, sondern auch das, was die Gesellschaft zusammenhält: Werte“, sagt die stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Bertelsmann Stiftung, Liz Mohn, in der neuen Ausgabe des hauseigenen Magazins „change“. Die aktuellen Ergebnisse aus dem Gesundheitsmonitor der Bertelsmann Stiftung zeigen die Konsequenzen: Wenn das Klima immer härter wird, wendet sich eine falsch verstandene Leistungskultur gegen die Menschen selbst. „Der tragische Tod des Nationaltorwarts Robert Enke wirft erneut ein Schlaglicht auf die immer noch mit Tabu belegten psychischen Erkrankungen“, resümiert die Stiftung.

Die Ergebnisse des aktuellen Gesundheitsmonitors der Bertelsmann Stiftung belegen, dass sich psychische Beschwerden längst zu einer Volkskrankheit entwickelt haben. Dieser regelmäßig durchgeführten repräsentativen Umfrage zufolge klagt jeder dritte Erwerbstätige über psychische Belastungen, mehr als 20 Prozent der deutschen Bevölkerung suchen innerhalb eines Jahres wegen psychischer Probleme einen Arzt auf. Unsichere wirtschaftliche Verhältnisse verschärfen die Situation: 52 Prozent der Menschen in befristeten Arbeitsverhältnissen klagen über psychische Belastungen.

Mit einem erhöhten Risiko psychischer Beschwerden einher gehen aber auch rein subjektiv erlebte Zukunftssorgen, wie arbeitslos (46 Prozent) und durch neue Technologien überflüssig (50 Prozent) zu werden oder im Fall von Arbeitslosigkeit keine neue Arbeit zu finden (41 Prozent).

Schwierige Arbeitsbedingungen verschlechtern das Wohlbefinden ohnehin: Wer mehr als fünf Tage die Woche arbeitet (42 Prozent) oder täglich einen Arbeitsweg von mindestens 30 Minuten zu bewältigen hat (38 Prozent), wird häufiger psychisch krank. Ebenso kann das Betriebsklima die Psyche beeinträchtigen. Dies trifft vor allem zu, wenn der Entzug von Vergünstigungen (47 Prozent), Abmahnungen (52 Prozent) oder Kündigung (49 Prozent) im Falle von häufigerer oder längerer Krankschreibung zu erwarten sind.

Auch die vor Kurzem veröffentlichten Ergebnisse der Europäische Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (EU-OSHA) zeigen, das viele europäischen Bürger Sorge haben, dass sich die derzeitige Wirtschaftskrise negativ auf Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz auswirken und die Verbesserungen gefährden könnte, die sie in den letzten fünf Jahren verzeichnen konnten. Der Meinungsumfrage zufolge erwarten sechs von zehn Europäern, dass der weltweite Konjunkturabschwung zu einer Verschlechterung der Arbeitsbedingungen, besonders im Hinblick auf Gesundheit und Sicherheit, führen wird. Jukka Takala, Direktor der EU-OSHA: „Es hat keinen Zweck, kurzfristige Gewinne auf Kosten langfristiger Probleme zu erzielen“. (tw)

Weitere Informationen:
www.gesundheitsmonitor.de
www.change-magazin.de/issue_2009_sh_1.php
www.osha.europa.eu/en/statistics/eu-poll

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