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Droht eine psychische Zweiteilung der Gesellschaft?

18.03.2009

Studie zur „Zukunft der Arbeitswelt 2030“: Deutschland hinkt bei der Schaffung zukunftsorientierter Arbeitsbedingungen hinterher.

Eine Studie der Abteilung Arbeits-, Organisations- und Wirtschaftspsychologie der Uni Mainz und der TU Darmstadt erforscht, wie die Arbeitswelt im Jahr 2030 aussehen wird und welche Konsequenzen in der Folge zu erwarten sind. Klares Ergebnis: Dienstleistungstätigkeiten werden demnach weiter vordringen und in 15 Jahren wahrscheinlich schon einen Anteil von 85 bis 90 Prozent ausmachen. Dies wird, so die Erwartungen des Mainzer Wirtschaftspsychologen, Prof. Dr. Christian Dormann fundamental neue Anforderungen und Belastungen für die Erwerbstätigen mit sich bringen.

Da ist zum einen das „Emotionsmanagement“, also die Fähigkeit zur Regulation der eigenen Gefühle, die künftig nicht nur von bestimmten Berufsgruppen wie Krankenpflegern und Erziehern erwartet wird, sondern von ganz vielen Erwerbstätigen, die ihrem Auftraggeber, ihrem Projektleiter oder ihrem Kooperationspartner Gefühle der Sicherheit, des Vertrauens und der Sympathie vermitteln sollten.

„Fähig zu sein zur eigenen Emotionskontrolle ist aber nur eine zentrale Anforderung an die Beschäftigten der Zukunft. Das gesamte Selbstmanagement wird sehr viel wichtiger werden.“ Und genau hier sieht Dormann Deutschland zusammen mit einigen osteuropäischen Staaten unter den europäischen Schlusslichtern. Andere Länder wie die Benelux-Staaten und Skandinavien seien hier schon viel weiter fortgeschritten. „Es ist wichtig, dass die Menschen selbst Entscheidungen treffen können, dass sie selbst Verantwortung übernehmen, sich eigene Ziele setzen und dass sie ihre Zeit selbst einteilen können.“ Denn die Aufgaben werden viel zu komplex, als dass der klassische Vorgesetzte noch alles überblicken und kontrollieren könnte.

Aber die Organisationen und Betriebe müssen diese Freiräume auch einrichten – und daran hapere es: „Die Kompetenzen verkümmern in den Betrieben“, so Dormann. „Wir laufen der aktuellen Entwicklung hinterher“. Gleichzeitig stiegen die Anforderungen. Weil die Einflussmöglichkeiten in Deutschland aber gering sind, finden wir hierzulande zahlreiche „Stressjobs“ im Gegensatz zu den sogenannten „active jobs“, die durch hohe Anforderungen, aber auch einen hohen Grad von Einflussmöglichkeiten gekennzeichnet sind. „Das muss sich ändern“, fordert Dormann, auch im Hinblick auf den Krankenstand in deutschen Unternehmen. „Wir könnten deutlich weniger Absentismus und weniger psychische Erkrankungen haben.“

Dormann erwartet eine neue, psychische Zweiteilung der Gesellschaft:

  • Da sind die einen, die zu einem erfolgreichen Selbstmanagement in der Lage sind und an ihren Aufgaben wachsen werden.
  • Aber da sind auch die anderen, die bei der eigenen Selbstregulation weniger erfolgreich sind und die mehr Schwierigkeiten haben werden als heute, am Arbeitsmarkt nicht nur wirtschaftlich, sondern auch psychisch zu bestehen.

„Es hat sich gezeigt, dass ohne erfolgreiches Selbstmanagement und insbesondere auch ohne erfolgreiches Emotionsmanagement die Wahrscheinlichkeit drastisch steigt, von der Arbeit zerrieben zu werden.“ Es wird auch vor diesem Hintergrund künftig eine zentrale Aufgabe des deutschen Ausbildungssystems sein, die Selbstmanagement-Fähigkeiten zu fordern und zu fördern. (tw)

Weitere Informationen:
www.psycho.sowi.uni-mainz.de/abteil/aow/de/research.html

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