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Was Verbalradikale über sich verraten

05.05.2008

Warum wehren viele Menschen selbstwertbedrohliche Kritik ab? Das hängt davon ab, wie hoch deren Selbstwertgefühl ist – und ob es stabil oder labil ausgeprägt ist.

Ein stabiles Selbstwertgefühl gründet darauf, dass man erfolgreich mit den Lebensumständen klar kommt. Man wird von anderen dafür geschätzt, wie man ist - und nicht dafür, was man ist. Menschen mit stabilem Selbstwertgefühl akzeptieren sich inklusive ihrer Schwächen, und sie müssen sich nicht ständig mit anderen vergleichen oder sich sonst wie Bestätigung holen.

Individuen mit instabilem Selbstwertgefühl hingegen definieren sich auf Tagesbasis. Sie sind davon abhängig, konkrete Ziele und Werte zu erreichen. Bleibt die Bestätigung aus, fällt auch ihre Selbstwertschätzung.

Ein hohes Selbstwertgefühl muss sich im Alltag aber nicht immer positiv zeigen. Von sich selbst überzeugte Menschen können auf Kritik an ihrem Ego recht aggressiv reagieren. Die Fähigkeit der Kritikannahme hängt offenbar stark von der Art des Selbstwertgefühls ab, beschreibt nun die Forschergruppe um Michael Kernis von der University of Georgia in ihrem Beitrag für die Juni-Ausgabe des Journal of Personality. Sie unterzogen dafür mehr als 100 Personen einem Interview, das aus Fragen mit steigendem Stressanteil bestand.

Menschen mit einem instabilen Selbstwertgefühl neigen wohl dazu, sich verbal gegen Kritik abzusetzen, bis hin zur offenen Aggression. Und zwar unabhängig davon, ob ihr Selbstwertgefühl hoch oder niedrig ist. Sie sind es auch, die mit ihrem Leben durchschnittlich weniger zufrieden sind. Allerdings reagieren auf Kritik am aggressivsten die mit einem hohen, aber instabilen Selbstwertgefühl. Ganz im Gegenteil zu denen, die ebenfalls ein hohes, aber stabiles Selbstwertgefühl haben – sie haben die sprichwörtliche Ruhe weg.

Was es etwas kompliziert macht ist, dass wir ein implizites und ein explizites Selbstwertgefühl besitzen. Auch, wer bewusst stolz auf sich sein kann, mag unbewusst ein gekränktes Ego mitschleppen. Dieses unbewusste (implizite) Selbstwertgefühl testen Psychologen mit dem „Name Letter Effect“: Menschen mit hohem impliziten Selbstwert weisen den Buchstaben des eigenen Namens automatisch einen höheren Stellenwert zu. Wenn explizites und implizites Selbstwertgefühl nicht übereinstimmen, ist dann ein Konflikt programmiert. Die Forscher vermuten, dass nur bei Menschen mit stabilem und kongruenten Selbstwertgefühl negative Informationen über das Ego nicht bedrohlich wirken. Deshalb müssen sie auch nicht abgeschüttelt oder entwertet werden. (tw)

Weitere Informationen:
www.blackwell-synergy.com

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