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"Nicht ohne meinen Coach"?

24.08.2008

… titelt "Die Zeit" (35/2008) dieser Woche. Nicht ohne den Teaser-Text mit "Aber hilft es auch?" abzuschließen.

Diese Frage bleibt übrigens offen. Das dreiseitige Dossier, das „Zeit“-Autor Christian Schüle verfasst hat, dreht sich um „Das gecoachte Ich“: „Wer in der globalisierten Welt mitspielen möchte“, fasst Autor Schüle im Vorspann seinen Befund zusammen, „nimmt sich einen Lebensberater. Ob Manager oder Kindergärtnerin – jeder will sich optimieren.“ Weil das Individuum heute zwar frei ist, aber eben auch laufend entscheiden muss, wächst ihm das Leben über den Kopf. Richard Sennett, der amerikanische Soziologe und Autor des Buchs „Der flexible Mensch“ darf da als Zeuge und Säulenheiliger der Moderne natürlich nicht fehlen: Wir sind alle Getriebene! Als ob das Leben die letzten tausend Jahre zuvor ein beschauliches Zuckerschlecken gewesen sei. Coaching setzt nun an diesem Gefühl des modernen Menschen an. Und erfreut sich reger Nachfrage.

Und schon lässt Autor Schüle den Leipziger Ethik-Professor Ulrich Bröckling warnen: „Ich sehe eine Menge Gefahren in den Coaching-Angeboten, denn in der Logik des Coachings ist begründet, dass der Coach bei allen ressourcenoptimierenden Methoden stets sagt: Da hast Beratung nötig! Darin liegt auch immer eine Demütigung und ein Moment von Entmündigung.“ Ob das in den Zeiten, als die Beichtväter noch konsultiert wurden, anders war? Autor Schüle lässt diese Argumentationslinie aus.

Allerdings kommen auch differenziertere Stimmen wie die des Hamburger Kommunikationspsychologen Prof. Dr. Friedemann Schulz von Thun zu Wort. Und: Es werden einige Coachs vorgestellt sowie Fallgeschichten eingewoben, wobei die Auswahlmethode unklar bleibt: Yvonne Bader und Peter Hahl aus Bremen, Christopher Rauen aus Goldenstedt und Sabine Asgodom aus München. Autor Schüle selbst versucht sich am „Brigitte“-Diät-Coach.

Zum Schluss konfrontiert uns der Autor mit einer Wendung, die vielen in der Szene bekannt vorkommen dürfte: Die Coaching-Klientin wechselt die Seite und lässt sich selbst zum Coach ausbilden. – Ein interessantes Phänomen, das dringend einmal erforscht werden sollte. (tw)

Weitere Informationen:
www.zeit.de/online/2008/34/coaching-vorbericht

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