Moderne Lernformen sind in den Chefetagen noch wenig verbreitet

HSG-Studie: Personalentwicklung ist Chefsache. Was von den Verantwortlichkeiten her zutreffen mag, wird in der Praxis jedoch wenig gelebt. - Wie die Lernstrategien der Top-Manager verbessert werden können.

Zahlreiche empirische Studien belegen, wie hoch der Einfluss von Führungskräften ist, wenn es um den Transfer-Erfolg von Bildungsmaßnahmen geht. Doch fehlt es diesen angesichts ihrer zahlreichen Verpflichtungen schlicht an Zeit, selbst neue Lernwege auszuprobieren. Und erst recht können sie sich nicht darum kümmern, Mitarbeitende zum Lernen zu motivieren.

Favorisiert werden also nach wie vor klassische Seminarveranstaltungen. Ein weiteres Problem: Manager verfügen beim Lernen über eine wenig ausgeprägte Fehlerkultur. Das sind einige Resultate einer vom Swiss Centre for Innovations in Learning (scil) der Universität St.Gallen (HSG) erstmalig durchgeführten Befragung von 214 Führungskräften aus der Schweiz, Deutschland und Österreich über ihre Lernstrategien.

Wie können sich Führungskräfte trotz hoher Auslastung, Informationsflut und stetigem Wandel weiterentwickeln? Und wie wirkt sich ihr Lernverhalten schließlich auf die Rolle als „Lernberater“ ihrer Mitarbeiter aus? – Diesen und weiteren Fragen sind die Professoren Dr. Dieter Euler und Dr. Sabine Seufert vom scil in Zusammenarbeit mit dem Wiener Hernstein Institut nachgegangen.

Die Untersuchung belegt, dass die Vermittlung von Wissen und Fertigkeiten im Vordergrund der Führungskräfte-Entwicklung steht. Demgegenüber ist die Arbeit an der Entwicklung von Einstellungen und Werthaltungen schwächer ausgeprägt. Angesichts der aktuellen Diskussionen über die gesellschaftliche Rolle und das Verhalten von Managern erscheint dieser Befund für die Wissenschaftler von besonderem Interesse: Sollen Führungskräfte primär als „technokratische Entscheider“ oder als „reflexive Gestalter“ ausgebildet werden?

Wenn die Befragten das traditionelle Seminar favorisierten, daneben jedoch auch maßgeblich sogenanntes informelles Lernen propagierten, also Praxisprojekte, Erfahrungsaustausch, Coaching und Mentoring etc., dann läge es doch auf der Hand, die weithin akzeptierte und geschätzte Form des Seminars intensiver mit informellen Lernformen zu verbinden.

Die Nutzung digitaler Lernmedien, die sehr gut in solche Konzepte integriert werden kann, zeigt sich im Bereich der Führungskräfte-Entwicklung eher noch am Anfang. So würden Podcasts oder Blogs nur von einer Minderheit von Führungskräften genutzt. Die Herausforderung in der Führungskräfte-Entwicklung bestehe somit darin, diese ungenutzten Potenziale in Bildungskonzepte zu fassen, in denen die digitalen Lernmedien einen deutlichen Mehrwert repräsentierten, so Professor Euler. (tw)

Weitere Informationen:
http://www.scil.ch