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Langfristig sind risikofreudige Unternehmer weniger erfolgreich

06.06.2008

Mittlere Risikobereitschaft ist für neu gegründete Unternehmen optimal.

Seit längerem können Ökonomen empirisch belegen, dass risikofreudigere Personen häufiger zu Unternehmensgründern werden als Menschen mit mittlerer oder geringer Risikobereitschaft. Eine vom Bonner Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA) veröffentlichte Studie zeigt jedoch: Neu gegründete Unternehmen halten sich gerade dann besonders lange am Markt, wenn die Gründer eine mittlere Risikobereitschaft aufweisen. Sind die Unternehmer sehr risikoscheu oder aber besonders risikofreudig, hat dies negative Auswirkungen auf die Überlebensdauer des Unternehmens. Die Wahrscheinlichkeit des frühzeitigen Scheiterns eines neu gegründeten Unternehmens ist dann deutlich höher.

Auf Basis von Daten des Sozio-Oekonomischen Panels (SOEP) aus den Jahren 2000 bis 2005 untersuchten die Forscher um den IZA-Arbeitsmarktexperten Marco Caliendo, ob sich die Risikoeinstellung von Unternehmern auf die Überlebensdauer der jeweiligen Unternehmen auswirkt. Den Forschern standen umfangreiche, repräsentative Daten von Personen zur Verfügung, die im Untersuchungszeitraum unternehmerisch tätig waren. Es wurden mehr als 7.000 Einzeldaten auf jährlicher Basis über das Verhalten von Selbstständigen erhoben. In der Zeit von 2000 bis 2005 konnten dabei mehr als 700 Fälle beobachtet werden, in denen Personen aus der Selbstständigkeit ausschieden.

Um eine erste Einordnung des Risikoverhaltens zu ermitteln, wurden die Befragten in drei Kategorien eingeteilt: besonders risikoscheu, mittlere Risikobereitschaft und sehr risikofreudig. Unter Berücksichtigung weiterer Faktoren wie der Dauer der Selbstständigkeit ermittelten die Wissenschaftler dann für alle drei Gruppen die Wahrscheinlichkeiten für das Ausscheiden aus der Selbstständigkeit:

  • Für die Gruppe der besonders risikoscheuen Selbstständigen ergeben die Berechnungen eine Wahrscheinlichkeit von 12,5 Prozent, im jeweils folgenden Jahr aus der Selbstständigkeit auszuscheiden.
  • Den gleichen Wert erreichen sehr risikobereite Unternehmer.
  • Bei Firmeneignern, die ihre eigene Risikobereitschaft als durchschnittlich einschätzten, ist die Wahrscheinlichkeit des unternehmerischen Scheiterns dagegen um 40 Prozent geringer – sie liegt bei etwa 7,5 Prozent.

Zur Erklärung verweisen Marco Caliendo (IZA), Frank Fossen (DIW Berlin) und Alexander Kritikos (Hanseuniversität Rostock) darauf, dass bei einer sehr riskanten Geschäftsidee zwar der erwartete Ertrag der Selbstständigkeit steigt, ebenso jedoch die Gefahr des Misserfolgs. So sind beispielsweise die Gewinnerwartungen bei Geschäftsideen in der Hightech-Branche oft sehr hoch – zugleich aber besteht eben auch ein erhöhtes Risiko, dass ein Projekt scheitert, bevor sich das Geschäftsmodell am Markt bewähren kann.

Demgegenüber verfügen risikoscheuere Selbstständige zwar von vornherein über potenziell geringere Ertragsaussichten, setzen sich aber auch einer geringeren Gefahr des Scheiterns aus. Allerdings gilt für besonders risikoaverse Unternehmer, dass sie sich vielfach besser stellen könnten, wenn sie einer Arbeit als abhängig Beschäftigte nachgehen würden. Bei relativ sicheren Projekten – mit geringem Risiko und geringem erwarteten Ertrag – lohnt sich die Selbstständigkeit für die Unternehmer oft nicht. Diese Erkenntnis reift in vielen Fällen aber erst nach dem Schritt in die Selbstständigkeit und führt auch in dieser Unternehmergruppe zu einer erhöhten Aufgabequote. (tw)

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