Frauen und Männer im Topmanagement ? der feine Unterschied

Europaweite Mercer-Studie untersucht die Profile der TOP-100-Frauen und Männer in Aufsichtsrats- und Vorstandspositionen.

Dass Frauen in Europas Vorstandsetagen weit unterrepräsentiert sind, ist bekannt und durch verschiedene Studien belegt. Aber was sind die Gründe für dieses Phänomen? Um dies näher zu beleuchten, hat sich das Beratungsunternehmen Mercer in einer aktuellen Studie mit den Profilen der Top-100-Frauen und Männer in Vorstands- und Aufsichtsratspositionen in Europa befasst. Die Einstufung Top-100 beruht auf einem Ranking der 300 größten europäischen Unternehmen nach Börsenwert. Die ausgewählten Personen stammen aus einem Panel, das bereits für den EuropeanPWN BoardWomen Monitor 2006 genutzt und jetzt aktualisiert wurden.

Demnach haben elf Prozent der europäischen Top-100-Frauen eine Vorstandsposition inne, bei den TOP-100-Männern sind es allerdings 35 Prozent. Die Mehrheit der Frauen bekleiden eine Aufsichtsratsfunktion: 89 Prozent sind Mitglied des Aufsichtsrates, bei den männlichen Kollegen sind es 65 Prozent. Lediglich acht Prozent der Frauen sind im Verhältnis zu 27 Prozent der Männer Vorsitzende eines Vorstandsgremiums.

Gut ein Viertel (28 %) der Frauen fungieren als Arbeitnehmervertreterinnen. Bei den Männern üben lediglich ein Prozent dieses Amt aus. Diese Ergebnisse hängen vor allem mit den gesetzlichen Rahmenbedingungen in Deutschland zusammen: Hier müssen die Hälfte der Aufsichtsratsmitglieder Arbeitnehmervertreter sein. Diese Funktion haben in den Top-100-Unternehmen meist Frauen inne.

Die Karrierewege der analysierten Frauen und Männer verlaufen vergleichbar: 74 Prozent der männlichen Vorstandsmitglieder (Frauen: 72 %) geben an, zuvor Positionen im Linienmanagement bekleidet zu haben; 26 Prozent der Männer (28 % der Frauen) hatten Stabsfunktionen ausgeübt.

Dagmar Wilbs, Leiterin des Bereichs Human Capital von Mercer, dazu: „Diese Zahlen bestätigen die weitverbreitete Auffassung, dass Positionen im Linienmanagement für den Einstieg in das Topmanagement förderlich sind. Gleichzeitig beweisen sie, dass Frauen grundsätzlich dieselben Karrierevoraussetzungen für eine Position in Vorstand oder Aufsichtsrat mitbringen wie Männer.“

Unterschiede in den Profilen der untersuchten Männer und Frauen zeigen sich vor allem im Alter, in der Ausbildung und in der öffentlichen Präsenz. Die Männer verfügen meist über ein ausgeprägtes öffentliches Profil, ein Drittel der Frauen sind dagegen relativ unbekannt. Bei den Männern liegt das Durchschnittsalter bei 60, bei den Frauen bei 54 Jahren. Darüber hinaus zeigt die Studie, dass männliche Vorstandsmitglieder häufiger im Ausland tätig waren als ihre Kolleginnen: Die Männer können durchschnittlich 2,4 Auslandseinsätze vorweisen, die Frauen nur 0,8.

Im Hinblick auf die universitäre Ausbildung unterscheiden sich Männer und Frauen in der Fächerwahl: Acht Prozent der weiblichen Vorstände haben einen naturwissenschaftlichen, die Hälfte einen wirtschaftswissenschaftlichen oder juristischen Studienabschluss. Von den männlichen Vorständen haben 32 Prozent einen naturwissenschaftlichen und 53 Prozent einen wirtschaftlichen oder juristischen Hintergrund.

Bei den männlichen Aufsichtsratsmitgliedern ist das Verhältnis von naturwissenschaftlichen Studienabschlüssen (30 %) zu solchen in den Bereichen Wirtschaft oder Jura (47 %) dem der Männer in Vorstandspositionen ähnlich. Im Unterschied zu den Frauen: 16 Prozent der weiblichen Aufsichtsräte haben ein naturwissenschaftlich orientiertes Studium abgeschlossen und 29 Prozent ein wirtschaftswissenschaftliches oder juristisches.

Die Ergebnisse der Mercer-Studien sind umfassend im neuen Buch der EuropeanPWN „Women on Boards – Moving Mountains“ veröffentlicht worden. Es ist die achte EuropeanPWN-Publikation in der Women@Work-Serie. Die Buchreihe möchte als praktischer Ratgeber einerseits Frauen in Führungsrollen unterstützen und andererseits Unternehmen beratend zur Seite stehen, die gezielt mehr Frauen werben, halten und fördern möchten.

EuropeanPWN ist Europas führendes Netzwerk für internationale Geschäftsfrauen, das jedes Jahr über 600 Veranstaltungen in 17 größeren Städten organisiert. Das Netzwerk zählt über 3.000 Mitglieder und mehr als 90 Nationalitäten aus allen Wirtschaftszweigen und aus ganz Europa. (tw)

Weitere Informationen:
http://www.europeanpwn.net
http://www.mercer.de