Existenzgründer - Zwischen Verausgabungsbereitschaft und Selbstüberforderung

20.05.2008

Studie an der Universität Potsdam: 38 Prozent tendieren zur überhöhtem Engagement und gehen gesundheitliche Risiken ein.

Traditionell konzentrierte man sich in der Forschung auf die Erfassung von Belastungen im Arbeitsleben. Vor allem psychische und körperlich-funktionelle Beeinträchtigungen gerieten in den Blick und es wuchsen vielfältige Beschwerde- und Symptomlisten. Eine solche symptom- und defizitorientierte Betrachtung reicht aber nicht aus. Menschen können von Belastungen unterschiedlich beansprucht werden. Und dies hängt von ihren Ressourcen ab: Alte und kranke Menschen macht die Wintergrippe beispielsweise mehr zu schaffen als Gesunden.

Im Zentrum der modernen Gesundheitspsychologie steht daher die Erfassung der persönlichen Ressourcen, die in die Auseinandersetzung mit den Anforderungen des Berufs eingebracht werden. Vier persönlichkeitsspezifische Muster des arbeitsbezogenen Verhaltens und Erlebens lassen sich mit dem Verfahren AVEM identifizieren.

  • G (esundheit): Dieses Muster ist optimal.
  • S (chonhaltung): Das Verhältnis gegenüber der Arbeit ist distanziert und eher freizeitorientiert.
  • Risikomuster A: Im Vordergrund steht hier überhöhtes Engagement.
  • Risikomuster B: Hohe Resignationstendenz und generelle Lebensunzufriedenheit herrschen vor.

Existenzgründer, beobachten die Professoren Ulf Kieschke und Uwe Schaarschmidt (Potsdam) in ihrer Studie, gehören zwar überwiegend zur Gruppe der sich optimal gesund Erlebenden. Aber es fällt andererseits der hohe Anteil derer auf, die dem Risikomuster A zuzuordnen sind. Die Forscher, meldet das Portal psychologie-aktuell.com, verglichen Existenzgründer mit Lehrern und Feuerwehrleuten:

  • 45 Prozent der Existenzgründer und 30 Prozent der Feuerwehrleute, jedoch nur 17 Prozemt der Lehrer gehören dem AVEM-Muster G(esund) an – mit deutlichen Ausprägungen in den Dimensionen beruflichen Engagements, emotionaler Distanzierungsfähigkeit, Widerstandsfähigkeit, Problemtoleranz, Ausgeglichenheit, Zufriedenheit. Diese Typologie beschert langfristig eine optimale Gesundheit.
  • Im Muster S(chonhaltung) sehen die Diagnostiker nur neun Prozent der Existenzgründer, jedoch 23 Prozent der Lehrer und 44 Prozent der Feuerwehrleute; das Arbeitsengagement ist gering, die Distanz gegenüber der Arbeitsumgebung groß; Ruhe und Zufriedenheit überwiegen, die Gesundheitsrisiken sind minimal.
  • Im Risikomuster A werden 38 Prozent der Gründer, 30 Prozent der Lehrer und 14 Prozent der Feuerwehrleute geortet: Die Bereitschaft, sich im Beruf zu verausgaben, ist hoch. Distanzierungsfähigkeit, Ruhe und Widerstandskraft bleiben unterentwickelt, negative Emotionen überwiegen. Das Herz-Kreislauf-Risiko und andere gesundheitliche Probleme sind überhöht.
  • Nur acht Prozent der Unternehmensgründer, elf Prozent der Feuerwehrleute, jedoch 29 Prozent der Lehrer werden im Risiko-Muster B gesehen - mit geringen Potenzialen in Richtung Arbeitsengagement, Distanzierungsfähigkeit, Widerstandsfähigkeit, Zufriedenheit, Wohlbefinden. Die gesundheitliche Situation dieser Gruppe ist tendenziell kritisch zu sehen.

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