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Deutschland braucht Migranten, will sie aber nicht

10.09.2008

OECD stellt Studie „Bildung auf einen Blick 2008“ vor. Im internationalen Vergleich fällt Deutschland bei der Ausbildung Hochqualifizierter weiter zurück.

Hierzulande schrumpft die Erwerbsbevölkerung. Doch statt Zuwanderer nach Deutschland zu holen, nimmt deren Zahl ab: Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl der Einwanderer 2006 um elf Prozent. Im OECD-Durchschnitt stieg die Zahl der Zuwanderer hingegen um fünf Prozent. Noch weniger Zuzüge als Deutschland konnten lediglich die Länder Japan, Portugal, Finnland und Frankreich verzeichnen.

Fachkräfte aus Drittstaaten mit Hochschulabschluss dürfen nur unbefristet in Deutschland bleiben, wenn sie mindestens 63.600 Euro jährlich verdienen. Das kritisiert die Wirtschaft als zu hoch, was die Politik bislang wenig beeindruckt hat. Auch die Zuwanderung einfacher Arbeiter ist reguliert: Bis 2011 bleibt Billigarbeitern aus Mittel- und Osteuropa der Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt verwehrt. Die Bundesregierung hingegen will den Bedarf an Arbeitskräften in erster Linie aus dem Inland decken. Doch woher nehmen?

Die Erwerbsbevölkerung wird bis 2020 um 2,5 Prozent schrumpfen, wenn sich der aktuelle in Deutschland Trend fortsetzt, so OECD-Experte Thomas Liebig. Kämen gar keine Migranten mehr, ginge sie sogar um sechs Prozent zurück. Das ist in fast allen anderen OECD-Ländern anders: In 20 von 27 Industriestaaten wächst die Erwerbsbevölkerung bis 2020, so der Trend von 2001 bis 2005 sich fortsetzt. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) fordert die Regierungen deshalb auf, ihre Politik stärker auf den künftigen Arbeitskräftebedarf auszurichten.

Polen stellten 2006 mit mehr als einem Viertel der Migranten die größte Zuwanderergruppe Deutschlands dar: Es folgen in der Rangreihe Türken (8%), Rumänen (4%) sowie Ungarn und Italiener. Das war früher anders. Gegenüber dem Durchschnitt der Jahre 1995 bis 2005 hat sich der Anteil der Polen 2006 ungefähr verdoppelt. Die Länder Türkei, Italien und Russland haben ihre frühere Zuwanderungsbedeutung verloren.

Die Deutschen hingegen wandern zunehmend aus. Von 2000 bis 2006 nahmen die Zuzüge Deutscher in andere OECD-Länder (vor allem: Schweiz, Österreich, Polen, die Niederlande, Luxemburg und Dänemark) jedes Jahr um mehr als fünf Prozent zu. Die Deutschen gehören dort zu den drei stärksten Migrantengruppen.

Am Arbeitsmarkt gibt es einen wachsenden Bedarf an Hochschulabsolventen, der auch in Zukunft steigen wird. Der Anteil junger Menschen, die einen Abschluss im Tertiärbereich erwerben, ist sowohl in Deutschland als auch international gestiegen. Hatten 1995 erst 14 Prozent eines Altersjahrgangs ein Universitäts- oder Fachhochschulstudium abgeschlossen, waren es im Jahr 2000 bereits 18 Prozent und im Jahr 2006 21 Prozent. Allerdings liegt Deutschland damit, auch bedingt durch die starke Rolle der dualen Berufsausbildung, deutlich unter dem OECD-Mittel von 37 Prozent (1995: 20%).

Die jährlich erscheinende Veröffentlichung der OECD "Education at a Glance / Bildung auf einen Blick" beleuchtet bildungspolitische Fragen aus einer internationalen Perspektive. Sie basiert überwiegend auf Daten der Jahre 2005 und 2006. Die Ergebnisse liefern eine Orientierungshilfe, um die Entwicklung des deutschen Bildungssystems zu bewerten und Reformstrategien weiterzuentwickeln. (tw)

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