Warum positives Denken gefährlich sein kann

Die Chemnitzer Psychologen Astrid Schütz und Lasse Hoge setzen sich mit Alltagsannahmen kritisch auseinander und empfehlen selbst Optimisten eine Prise Vorsicht und Überlegtheit.

Bücher und CDs zum Thema "Positives Denken" sind populär - spätestens seit die Welle der Motivationstrainer Mitte der neunziger Jahre über Deutschland hereinbrach. Einige Autoren wie Dale Carnegie erzielten mit Leitsätzen wie "Denke positiv" und "Sorge Dich nicht, lebe!" Millionenauflagen. Betrachtet man jedoch die Rezensionen von Käufern dieser Ratgeber, so schwanken diese zwischen Euphorie und Enttäuschung. "In den meisten populären Büchern zu positivem Denken werden dessen Grenzen weggeredet. Aussagen wie ‚Nichts ist unmöglich’ oder ‚Sie können alles, was Sie sich zutrauen!’ versprechen schier grenzenlosen Erfolg", meint Prof. Dr. Astrid Schütz. Die an der Technischen Universität Chemnitz tätige Professorin für Persönlichkeitspsychologie und Diagnostik hat gemeinsam mit ihrem Mitarbeiter Lasse Hoge Ergebnisse eigener wissenschaftlicher Untersuchungen sowie weitere Befunde aus psychologischen Studien in aller Welt zusammengefasst.

Die Forscher betonen, dass positives Denken allein noch niemanden auf den Mount Everest geführt habe. Im Gegenteil sei positives Denken als alleinige Strategie gefährlich. So warnte schon der Schriftsteller Mark Twain: "Seien Sie vorsichtig mit Gesundheitsbüchern - Sie können an einem Druckfehler sterben". Schütz und Hoge bleiben allerdings nicht bei Skeptizismus stehen, sondern zeigen ein angemessenes Verhalten auf: "Nur durch die Kombination von Selbstvertrauen und sorgfältiger Vorbereitung ist es möglich, hohe Ziele zu erreichen. Auch die Berichte über erfolgreiche Individuen deuten darauf hin, dass diese sich nur begrenzt auf positives Denken verlassen haben. Edison gab seine Vision von der Glühbirne nicht auf, bis er sie wahr machen konnte. Dennoch vernachlässigte er in der Zwischenzeit nicht die Sorge um seinen Lebensunterhalt."

Angesichts des großen öffentlichen Interesses am positiven Denken wenden sich die Forscher Schütz und Hoge nun mit einem Buch an ein breites Publikum: "Positives Denken: Vorteile - Risiken - Alternativen". Sie beschreiben auf 218 Seiten die wichtigsten Erkenntnisse auf unterhaltsame und verständliche Weise. (tw)