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Mythos: Multitasking

08.08.2007

Der Mensch ist nicht in der Lage, erfolgreich mehrere Dinge auf einmal zu tun. Das bestätigen Wissenschaftler in neuen eindrucksvollen Untersuchungen.

Zwar beharren viele auf der Ansicht, verschiedene Aufgaben zugleich zu erledigen, Multitasking genannt, sei das Patentrezept gegen Dauerstress, knappe Zeit und gegen Arbeitsanballungen. Doch Psychologen, Neurowissenschaftler und Ökonomen widersprechen mittlerweile einhellig: Der Mensch mache bei solchem Vorgehen haufenweise Fehler, sein Gehirn sei der Doppelbelastung nicht gewachsen. Er verplempere sogar Zeit, und zwar mehr als ein Viertel, weil er Fehler wieder ausbügeln und sich an die jeweils nächste Aufgabe erinnern müsse, berichtet spiegel-online.

Wissenschaftler messen im Kernspintomografen, wie gut das Gehirn damit klarkommt, wenn es mehrere Aufgaben gleichzeitig erledigen soll. Und die Ergebnisse sind niederschmetternd: Der Preis für das vermeintliche Multitasking besteht darin, dass zumindest eine der Aufgaben nur mit halber Kraft bearbeitet wird. Ein Autofahrer, der sich auf den Gegenverkehr und sein Telefongespräch zu konzentrieren versucht, hat deshalb keine Kapazitäten mehr frei, um auf den Fußgänger am Fahrbahnrand zu reagieren. Wer während des Autofahrens telefoniert, egal ob mit oder ohne Freisprecheinrichtung, hat ein viermal so hohes Unfallrisiko. Selbst das Geschehen in seinem Blickfeld nimmt er oft nicht bewusst wahr und seine Reaktionsfähigkeit entspricht der eines Angetrunkenen mit 0,8 Promille Blutalkohol, haben Forscher wie David Strayer vom psychologischen Institut der Utah-University in Salt Lake City heraus gefunden.

Warum hält sich der Glaube ans Multitasking aber so hartnäckig? "Was wir als Multitasking erleben, ist nur ein schneller Wechsel zwischen verschiedenen Aufgaben", erklärt der amerikanische Psychologe Jordan Grafman. "Dabei verwechseln wir Schnelligkeit mit Intelligenz", sagt der Münchener Hirnforscher Ernst Pöppel. "Wer schnell ist, gilt immer auch als schlau." Torsten Schubert von der Berliner Humboldt-Universität vergleicht Multitasking mit einem Computer, der ein neues Programm hochfährt und dafür das alte schließen muss, was natürlich bei begrenzter Kapazität zu Zeitverlust führt - der aber eben allgemein verleugnet würde.

Dank dieser Illusion verschwenden Menschen jedoch täglich Ressourcen durch den ständigen Wechsel der Tätigkeit. Ernst Pöppel warnt vor einem „unzusammenhängenden, schizoiden Denkstil“. Und wie macht man es besser?

  • Unterbrechungen vermeiden.
  • Prioritäten setzen.
  • Stundenplan einhalten.
  • Routinen entwickeln.


Weitere Informationen:
www.spiegel.de

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