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Kienbaum-Studie: Deutsche Manager sind Extrem-Jobber

29.07.2007

Vier Fünftel der deutschen Top-Führungskräfte arbeiten mehr als 50 Stunden pro Woche. Die Hälfte der Manager mit einem Jahresgehalt von mehr als 200.000 Euro hat sogar eine 60-70-Stunden-Woche.

Damit arbeiten diese deutschen Führungskräfte im Schnitt länger als ihre US-amerikanischen Kollegen, bei denen laut einer vergleichbaren US-Studie 35 Prozent länger als 60 Stunden arbeiten. Nahezu alle deutschen Befragten (96 Prozent) arbeiten auch am Wochenende. Etwa ein Drittel der Top-Manager (> 200.000 Euro Jahresgehalt) befassen sich zwischen zehn und 20 Stunden an Samstagen und Sonntagen mit ihrem Job. 85 Prozent aller Manager erkennen eine deutliche Zunahme der Arbeitsbelastung in den vergangenen fünf Jahren. Jedoch empfinden vier Fünftel aller deutschen Führungskräfte diese erhöhte Arbeitsbelastung als herausfordernd bzw. als normal. 95 Prozent betonen, dass ihnen ihr Job Spaß mache. Dies sind Ergebnisse der aktuellen „Work-Life-Balance“-Studie, durchgeführt von der Managementberatung Kienbaum in Kooperation mit dem Harvard Businessmanager, bei der 142 deutsche Führungskräfte zu ihrer aktuellen Arbeitssituation befragt wurden.

„In Deutschland wie in den USA hat sich ein neuer Manager-Typus herausgebildet: der Extremjobber. Diese hoch engagierten Manager sind aufgrund der immer komplexeren Aufgaben bei der Führung internationaler Unternehmen wichtig. In dieser Entwicklung liegt aber auch eine Gefahr. Die Aufgabe von Top Managern ist es vornehmlich, Strategien zu entwickeln, und Visionen zu vermitteln. Gerade diese entscheidenden Faktoren können zu kurz kommen, wenn man sich in zu vielen operationalen Dingen verzettelt. Das gleiche gilt für die Komponenten Führung und Kommunikation, ohne die Strategien nicht umsetzbar und Visionen nicht vorlebbar sind“, sagt Jochen Kienbaum, Vorsitzender der Geschäftsführung von Kienbaum Consultants International.

Als Extremjobber werden Manager mit einer Wochenarbeitszeit von mehr als 60 Stunden pro Woche, einem sehr guten Verdienst, hohen Maß an Verantwortung und häufigen berufsbedingten Reisen bezeichnet. Ein Drittel der befragten Top-Manager gab an, mehr als zweimal pro Woche geschäftlich zu reisen, bei den Besserverdienenden (mehr als 200.000 Euro Jahresgehalt) sind es sogar 42 Prozent. Es fällt auf, dass diese Gruppe leistungsorientierter Führungskräfte stark durch intrinsische Motivatoren, wie der Herausforderung (87 Prozent), Anerkennung (57 Prozent) oder intellektuellen Leistung (46 Prozent) angetrieben werden, das erhöhte Arbeitspensum zu bewerkstelligen. Auch ein durch extreme Leistung erreichter „Adrenalinkick“ motiviert Top-Manager, ihr Bestes zu geben (15 Prozent). Extremsportarten wie Fallschirmspringen, Bungee-Jumping oder Marathon sind bei deutschen Top-Managern folglich auch im Privatleben sehr beliebt.

Neben intrinsischen Motivatoren veranlasst auch ein erhöhter Wettbewerbsdruck die Manager zu einem erhöhten Arbeitseinsatz. „Der internationale Wettbewerb zwischen Mitarbeitern der Führungsebene hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Es gibt eine immer größere Transparenz über die Leistung einer Führungskraft, so dass individueller Einsatz messbar und vergleichbar gemacht wird. Dieser Druck in Kombination mit der internen Motivation der Anerkennung bringen Extremjobber dazu, Extremes zu leisten“, so Jochen Kienbaum.

Trotz Anerkennung, intellektueller Herausforderung und einem gut gefüllten Bankkonto birgt das Extremjobben nicht zu unterschätzende Gefahren. Annähernd 50 Prozent der deutschen Top-Manager sind sich bewusst, zu wenig Zeit mit dem Partner zu verbringen. Auch die Gesundheit leidet unter dem extrem anspruchsvollen Berufsleben: Drei Viertel geben zu, sich zu wenig zu bewegen. Zwei Drittel der Befragten streben an, ihren Job höchstens noch fünf Jahre unter derzeitigen Bedingungen zu machen. Bei den Besserverdienenden sind es rund drei Viertel. „Um der Belastung im Berufsleben standzuhalten, sollten Extremjobber von der Personalabteilung intensiv dabei unterstützt werden, ihre Work-Life-Balance zu managen. Das Setzen von realistischen Zielen und eine dauerhafte Kontrolle, ob die angestrebten Ziele erreicht wurden, sollten hierbei oberste Priorität haben. Ein konsequenter Ausgleich zwischen Berufs- und Privatleben sollte sowohl für den Arbeitnehmer als auch für den Arbeitgeber von hohem Interesse sein. Allerdings ist das Phänomen Extremjobbing in den Personalabteilungen noch nicht wirklich angekommen, Konzepte stecken vielerorts noch in den Kinderschuhen“, so Jochen Kienbaum. (tw)

Weitere Informationen:
www.kienbaum.de

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