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Geld motiviert - wenn man mehr bekommt als der Kollege

24.11.2007

Mit welchen Gefühlen man auf seinen Gehaltscheck reagiert, hängt maßgeblich davon ab, wie viel der Kollege verdient. Das legt ein Experiment von Ökonomen und Hirnforschern der Universität Bonn nahe.

Darin ließen sie Versuchspersonen - insgesamt 38 Männer - paarweise gegen Bezahlung eine einfache Aufgabe durchführen. Die Bonner Forscher um den Epileptologen Professor Dr. Christian Elger und den Ökonomen Professor Dr. Armin Falk untersuchten währenddessen die Hirnaktivität ihrer Probanden mit einem Magnetresonanz-Tomographen (fMRT). Der Tomograph erfasste, in welchen Hirnregionen der Testpersonen sich die Durchblutung änderte. In gut durchbluteten Gebieten gelten die Nervenzellen als besonders aktiv.

Im Experiment erschien auf einem Bildschirm eine gewisse Anzahl Punkte, deren Menge die Probanden schätzen mussten. Danach wurden die Versuchsteilnehmer informiert, ob sie richtig getippt hatten. Falls ja, erhielten sie eine Belohnung, die von 30 bis 120 Euro reichte. Gleichzeitig wurde ihnen mitgeteilt, ob ihr Spielpartner erfolgreich gewesen war und welchen Lohn er dafür einstreichen konnte. Das Ergebnis war für die Forscher verblüffend: Bekam ein Teilnehmer mehr Geld als sein Mitspieler, zeigte sein "Belohnungszentrum" eine weit stärkere Aktivierung, als wenn beide dieselbe Summe erhielten. Die Ergebnisse, die soeben in der renommierten Wissenschaftszeitschrift Science erschienen, stehen wieder einmal in krassem Gegensatz zur Ökonomie-Mainstream-Hypothese vom "Homo oeconomicus".

“Immer wenn wir eine erstrebenswerte Erfahrung machen, wird das Belohnungssystem aktiv. Wir beobachteten dort beispielsweise eine Aktivierung, wenn der Spieler die Aufgabe richtig gelöst hatte", sagt der Leiter der Arbeitsgruppe NeuroCognition-Imaging am Life&Brain Institut, der Bonner Neurowissenschaftler Dr. Bernd Weber. Hatte der Teilnehmer dagegen mit seiner Schätzung daneben gelegen, nahm die Aktivität seines ventralen Striatum ab. Erstaunlicherweise spielte aber auch eine Rolle, wie der Teilnehmer im zweiten Scanner abgeschnitten hatte: "Am höchsten war die Aktivierung bei denjenigen, die richtig getippt hatten, während ihr Mitspieler sich verschätzt hatte", fasst der ebenfalls in der Arbeitsgruppe tätige Dr. Klaus Fließbach das Ergebnis zusammen.

Die Forscher nahmen nun die Fälle genauer unter die Lupe, bei denen beide Partner die Zahl der Punkte korrekt geschätzt hatten. Erhielten die Teilnehmer dafür dieselbe Bezahlung, kam es zu einer vergleichsweise geringen Aktivierung des Belohnungszentrums. Anders, wenn der eine Spieler beispielsweise 120 Euro bekam, sein Partner aber nur 60: Dann fiel die Aktivierung bei Spieler 1 viel höher aus. Bei Spieler 2 nahm die Durchblutung des ventralen Striatum dagegen sogar ab - und das, obwohl er die Aufgabe richtig gelöst hatte und dafür auch belohnt worden war.

“Dieses Ergebnis steht im klaren Widerspruch zur traditionellen ökonomischen Theorie", erklärt der Bonner Wirtschaftswissenschaftler Professor Dr. Armin Falk. "Danach sollte es nur auf die absolute Höhe der Entlohnung ankommen. Der Vergleich mit Anderen sollte dagegen für die Motivation keine Rolle spielen." Es ist das erste Mal, dass diese These mit Hilfe eines derartigen Experiments widerlegt wurde. Allerdings hat auch die absolute Höhe der Bezahlung einen Einfluss auf das Belohnungszentrum: Über 60 Euro freut man sich mehr als über 30. "Das Interessante an unserer Studie ist aber, dass die relative Höhe des Einkommens eine so bedeutsame Rolle spielt", betont Falk.

"Zumindest Männer scheinen eine große Motivation aus dem Wettbewerb zu ziehen", resümiert Dr. Bernd Weber. Die Forscher wollen nun herausfinden, ob das auch bei Frauen so ist. Außerdem planen sie eine Versuchsreihe mit asiatischen Probanden, um herauszufinden, ob Konkurrenzdenken auch durch kulturelle Faktoren beeinflusst wird.

Interessant an diesen Ergebnissen sind allerdings noch zwei weitere Aspekte. Erstens gibt es eine lange Tradition psychologischer Forschung zum Thema soziale Vergleichsprozesse. Und zweitens gilt der „Homo Oeconomicus“ schon seit der Verleihung des Wirtschaftsnobelpreises 2002 an den Psychologen Daniel Kahneman und den Ökonomen Vernon Smith als überholt. (tw)

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