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Fluktuationsquote europäischer CEOs mit 15,4 Prozent auf Rekordhoch

30.05.2007

Der Druck von Investoren und Aufsichtsräten auf die Unternehmenslenker nimmt wegen mangelnder Umsetzung von Corporate Governance zu. Rund ein Drittel aller europäischen Vorstandswechsel ist allerdings durch Merger bedingt.

Die jüngsten spektakulären Wechsel an der Spitze europäischer Unternehmen, insbesondere in Deutschland, spiegeln einen grundsätzlichen Wandel in der Beziehung zwischen CEO, Aufsichtsrat und Investoren wider. Zusätzlich fordern vor allem zahlreiche Übernahmen und Merger sowie stetig steigende Anforderungen an die Unternehmenslenker ihren Tribut. Dies belegt die aktuelle CEO Succession-Studie der internationalen Strategie- und Technologieberatung Booz Allen Hamilton.

Untersucht wurde in der Studie "CEO Succession 2006" die 2.500 weltweit größten börsennotierten Unternehmen sowie die Entlassungsgründe von 357 CEOs. Für den deutschsprachigen Raum wurden ergänzend die 300 größten Unternehmen analysiert. Es flossen sowohl die Performance der Unternehmen zum Zeitpunkt der Ablösung als auch die Art und Weise des Ausscheidens des CEO ein.
Weltweit, so die Studie, nahmen 14,3 Prozent aller CEOs ihren Hut (2005: 15,5 Prozent). Diese gemilderte Entwicklung gilt allerdings nur für USA und Asien. In Europa dagegen stiegen die Zahlen auf das Rekordniveau von 15,4 Prozent. Auch im deutschsprachigen Raum kletterte die Wechselquote von 9,7 Prozent (2005) auf 10,7 Prozent im abgelaufenen Jahr. Die Booz Allen-Studie nennt dafür drei Gründe:

  • Der Leistungsdruck insbesondere auf deutsche CEOs wächst.
  • Darüber hinaus nehmen hierzulande Merger und damit die Unsicherheit bei den Top-Managern zu.
  • Weiterhin sind sie gezwungen, immer mehr internationale Kontrollstandards anzuwenden (Corporate Governance).

Leistungsdruck: Performance-getriebene Wechsel haben seit 1995 um 318 Prozent zugenommen. Von CEOs mit überdurchschnittlicher Performance blieb 2006 rund jeder Zweite über sieben Jahre im Job. Von Kollegen, die unterdurchschnittlich wirtschafteten, konnte sich dagegen nur rund jeder Vierte seinen Posten so lange halten.

Merger: In Europa erreichten durch Merger beeinflusste Wechsel mit 27,3 Prozent aller Abgänge den höchsten Stand seit Beginn der Untersuchung 1995. Auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz machte die Rate in nur einem Jahr einen Sprung von 17 auf 22 Prozent. Die Fluktuation wird durch die zunehmende Aktivität von Kapitalanlagegesellschaften und anderen Investoren weiter steigen, vermutet die Studie. Dabei fungieren insbesondere Private-Equity-Player und Hedgefonds für ehemalige Vorstandschefs als attraktive Alternative zur Position eines CEOs.

Corporate Governance: Die intensive Auseinandersetzung mit globalen Governance- und Compliance-Themen wurde im deutschsprachigen Raum bislang unterschätzt. Weil deutsche Unternehmenslenker bei diesen Themen bislang deutlich schwächeln, werden künftig mehr international erfahrene Führungskräfte entsprechende Positionen in deutschen Konzernen besetzen, vermutet die Studie.

Branchen: Die größte Wechselhäufigkeit besteht international im Telekommunikationssektor (23,5 Prozent). Die Zahl der Abgänge hat sich dort gegenüber dem Vorjahr nahezu verdoppelt. Im deutschsprachigen Raum schnellte der Anteil der Wechsel sogar von 17 Prozent (2005) auf 50 Prozent (2006). Global folgen in der Liste der gefährlichsten Branchen die Versorger und der Gesundheitssektor mit jeweils 17,8 Prozent. Die Informationstechnologie in Deutschland, Österreich und der Schweiz liegt erneut (17 Prozent) auf dem zweiten Platz. Auf Rang drei folgen Banken, Versicherungen und andere Finanzdienstleister (15 Prozent).

Konsequenzen: Wer es als CEO bei der Umsetzung der Grundsätze für eine gute und verantwortungsvolle Unternehmensführung nur bei Lippenbekenntnissen belässt, das ist das Resümee der Studie, scheitert langfristig. Corporate Governance- und Compliance-Regeln greifen mittlerweile nachhaltig. Sie verändern schrittweise Führungskultur und -strukturen auf globaler Ebene. Wie die Studie zeigt, ordnen sich Selbstverständnis und Aufgabenteilung aller an der Unternehmensführung beteiligten Kräfte neu. Investoren beanspruchen aktiv gemanagte Aufsichtsratsmandate und wollen in strategische Entscheidungen eingebunden werden. Die bislang eher homogene, konsensorientierte Struktur in Aufsichtsräten bricht auf, plurale Interessen treffen aufeinander. Mandatsträger sind herausgefordert, Unternehmensstrategie und -performance zu diskutieren und gegebenenfalls durch aktive Vorschläge zu korrigieren. Für Aufsichtsräte erfordert dies eine engere Auseinandersetzung sowie einen Dialog mit wichtigen Bezugsgruppen wie Kunden, Partnern, Lieferanten und Mitarbeitern. (tw)

Weitere Informationen:
www.boozallen.de

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