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Die Leiden der jungen Führungstalente

27.06.2007

Sie sind jung, sehr gut ausgebildet, hoch motiviert - und haben doch Sorgen. Denn sie stehen unter enormen Erfolgsdruck.

"Die Angst vor Arbeitslosigkeit hat sich bis in die Führungsetagen hineingefressen", sagt die Marktforscherin und ehemals Hauptautorin der Shell-Jugendstudie Dr. Yvonne Fritzsche-Sterr. "Natürlich haben Nachwuchsmanager keine Angst davor, Hartz-IV-Empfänger zu werden. Aber sie befürchten, einmal keinen Job zu haben, der ihren Qualifikationen und Vorstellungen entspricht." Fritzsche-Sterr hat 300 junge deutsche Führungskräfte mit weniger als drei Jahren Berufserfahrung, meist in Trainee- oder Assistenzpositionen sowie jüngere Führungskräfte bis maximal 39 Jahre, die in den kommenden Jahren aller Voraussicht nach noch mehr Führungsverantwortung in Unternehmen übernehmen werden, befragt. Auftraggeber der Studie war die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers.
Die ausführlichen Gespräche mit den Befragten und die anschließende Clusterbildung lassen eine Typisierung der jungen Führungskräfte zu:

  • Die jungdynamischen Globalisten (21 Prozent): Sie sind im Durchschnitt knapp über 30 Jahre alt, halten die Probleme in Wirtschaft und Gesellschaft grundsätzlich für lösbar, streben ins Ausland und verzichten für den Weg nach oben ganz bewusst auf private Bedürfnisse.
  • Die konzentrierten Macher (22 Prozent): Sie sind voller Optimismus, schätzen die eigenen Karrierechancen durchweg positiv ein und sind davon überzeugt, dass "die da oben" die anstehenden Probleme schon lösen werden. Sie stellen die jüngste Gruppe unter den vier Typen dar, konzentrieren sich stark auf ihren Beruf, sind relativ unbesorgt und legen deutlich weniger Wert auf den Ressourcenaufbau als ihre Kollegen.
  • Die erfahrenen Pragmatiker (22 Prozent): Vom "alten Schlag" und ausgesprochen auf Deutschland konzentriert sind die "erfahrenen Pragmatiker". Die Mehrheit ist zwischen 35 und 39 Jahre alt, 75 Prozent sind Männer, 77 Prozent haben einen Hochschulabschluss und ihr Slogan im Betrieb lautet: Wir sind die Stützen, uns macht keiner so leicht etwas vor.
  • Die aufgeschlossenen Netzwerker (34 Prozent): Die Nachwuchsmanager gelten als ausgesprochene Familienmenschen, sie pflegen Freundschaften und Hobbies und leben nach der Devise: Um im Privatleben glücklich zu werden, kann es erforderlich sein, auf einer Sprosse der Karriereleiter freiwillig stehen zu bleiben. Falsch wäre allerdings die Vermutung, die Mitglieder dieser Gruppe hätten sich vom Unternehmen innerlich verabschiedet. Sie legen vielmehr großen Wert auf Weiterbildung und schätzen ihre Karrierechancen ausgesprochen positiv ein.

Die Wirtschaftselite von morgen verfügt über kein gemeinsames Zukunftsbild, es lassen sich nicht einmal ansatzweise übergreifende Konzepte oder Zukunftsvorstellungen dieser Generation herausfiltern. Aber es werden auf Basis der Auswertung fünf biografische Strategien deutlich, die die Nachwuchsmanager verfolgen, um mit dem wachsenden Erwerbs- und Karrieredruck zurecht zu kommen.

  • Zwei davon haben offensiven Charakter: Zahlreiche Jungmanager setzen mit dem Aufbau von Ressourcen in Berufs- und Privatleben sowie einer klaren Auslandsorientierung auf den Aufbau ihrer eigenen Erfahrungen und Kapazitäten. Damit wollen die Befragten ihre Chancen vergrößern und sich gegen Rückschläge absichern.
  • Zwei Strategien sind defensiv ausgerichtet: Diese Nachwuchsführungskräfte nehmen zeitweilig Einschränkungen im Privatleben hin und reduzieren ihr Engagement auf das Überschaubare und Machbare im eigenen Lebenskreis. Die Anhänger dieser Strategien konzentrieren die vorhandenen Ressourcen auf die Bewältigung der beruflichen Herausforderung.
  • Die fünfte Strategie beruht auf dem Glauben an den Fortschritt und an die eigene Leistungsfähigkeit und spiegelt das Selbstbewusstsein wider, das den Führungsnachwuchs trotz aller Angst und allem Leistungsdruck auszeichnet.

"Die Gesellschaft bekommt von jungen Menschen immer einen Spiegel vorgehalten, wie sie sich in den letzten zehn, zwanzig Jahren entwickelt hat", sagt Fritzsche-Sterr. "Die jungen Berufstätigen sind in eine Welt hineingeboren, in der es unmöglich ist, sein Leben durchzuplanen. Jeder junge Mensch ist heute ein Künstler, der sich in Eigenregie aus verschiedenen Versatzstücken seine Biographie zusammenbaut." (tw)

Weitere Informationen:
www.pwc.de

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