Der Staat und die Spielsucht: Vorbeugen oder verdienen?

Durch die Reduzierung des Spielumsatzes die Anzahl pathologischer Spieler verringern, statt den Staatssäckel füllen, fordert der Experte Professor Gerhard Meyer von der Universität Bremen.

Spielsucht stellt ein ernst zu nehmendes gesellschaftliches Problem dar, so Gerhard Meyer, ausgewiesener Experte und Psychologie-Professor an der Universität Bremen. Der Staat habe in der Vergangenheit die eigentliche Aufgabe eines Monopols, nämlich Spielsucht zu bekämpfen, aus dem Auge verloren. Das Bundesverfassungsgericht habe im März 2006 den Staat zwar explizit aufgefordert, seine Verantwortung ernst zu nehmen, doch bisher sähen vor allem die Finanzminister im Glücksspiel vor allem eine lukrative Geldquelle, so Meyer.

Nach einer repräsentativen Umfrage hätten sich 2006 fast 40 Prozent der Deutschen an einem Glücksspiel beteiligt. Davon spielten 33 Prozent Lotto, drei Prozent waren im Kasino oder an Automaten in den Spielhallen. Vier Prozent spielten Sportwetten. Meyer zufolge könne mit der Teilnahme an Sportwetten die „dynamische Entwicklung eines Suchtverhaltens“ verbunden sein. Für besonders problematisch hält er jedoch das Automatenspiel, an dem rund 80 Prozent der Spielsüchtigen hingen. Die Anzahl der pathologischen Spieler in Deutschland wird auf 100.000 bis 265.000 geschätzt. Der Spielsucht-Experte spricht sich jedoch explizit gegen Verbote aus. Man brauche das legale Glücksspielangebot, da Verbote nichts brächten. Dies belege die Alkohol-Prohibition in den USA in den 1920er Jahren. Besser sei es, durch die Reduzierung des Spielumsatzes die Anzahl pathologischer Spieler zu verringern. Suchtberatungsstellen melden beachtliche Therapieerfolge: 54,3 Prozent der Klienten können als abstinent entlassen werden. (tw)

Weitere Informationen:
http://www-user.uni-bremen.de/~drmeyer/index_dateien/JBSucht_07.pdf