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"Das eigene Ich verflüchtigt sich, wenn man nach ihm sucht"

16.10.2007

All unsere Bemühungen, uns durch Selbstreflexion zu verstehen, stoßen an Grenzen, die das Vorbewusste setzt. Um uns selbst zu erkennen, benötigen wir eine "externe Instan", schreibt der Neurowissenschaftler Gerhard Roth in seinem neuen Buch.

Die unbewussten Anteile unserer Existenz sind diejenigen, die zuerst entstehen, und sie sind die wichtigeren, schreibt Professor Dr. Dr. Gerhard Roth. Zugleich sind sie dem Bewusstsein nicht zugänglich. Die eigentlichen Nachrichten der subkortikalen limbischen Zentren sind sprachlos. Was in der Großhirnrinde also als bewusste Gefühle oder als Motive entsteht, sind Interpretationen dieser Erregungen.

Das ist der eine Teil der Wahrheit. Der andere ist: Wir werden von unserem Unbewussten gezwungen, Sinn in unser Handeln zu bringen, ohne über die wahren Beweggründe Bescheid zu wissen. Roth, selber Neurobiologe an der Universität Bremen und Direktor am dortigen Institut für Hirnforschung, bezieht sich auf den amerikanische Kollegen Michael Gazzaniga, wenn es sagt: „Wir sind als bewusste Wesen die letzten, die mitkriegen, was mit uns los ist und uns treibt; wir sind wie Regierungssprecher, die Dinge rechtfertigen müssen, die sie gar nicht veranlasst oder getan haben.“

Wie kann nun unter diesen Umständen Selbsterkenntnis stattfinden? Offenbar benötigt man dafür eine externe Instanz, einen anderen Menschen! Eine solche Person - zum Beispiel ein Coach oder ein Therapeut - kann nämlich etwas tun, das wir nicht tun können: Sie kann über die vom Unbewussten stammenden Anteile unserer Kommunikation und unseres Verhaltens Zugriff zur unbewussten mittleren limbischen Ebene erlangen.

Gerhard Roths neues Buch „Persönlichkeit, Entscheidung und Verhalten. Warum es so schwierig ist, sich und andere zu ändern“ ist soeben im Verlag Klett-Cotta erschienen. (tw)

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