Im Coaching begegnen sich immer auch Menschen mit bestimmten Haltungen. Und genauso, wie auf der Verhaltensebene Interventionen gesetzt werden – z.B. über Fragen und Feedbacks –, sind Haltungen als Interventionen zu verstehen, die Coaches bewusst oder auch unbewusst ausstrahlen. Sie wirken auf ihre Gegenüber als Wirklichkeitssuggestionen (im Sinne von Wirklichkeitseinladungen). Wenn ein Coach davon ausgeht, dass ein persönlicher Veränderungsprozess langwierig und von Entbehrungen und Schmerzen gezeichnet sein wird, dann wird der Klient das vermutlich intuitiv wahrnehmen und sich unbewusst auf einen beschwerlichen Entwicklungsweg und Coaching-Prozess einstellen. Geht der Coach stattdessen davon aus, dass sein Gegenüber zwar taffe Probleme hat, aber auch eine Menge Ressourcen, die sicher helfen werden, auch kurzfristige relevante Entwicklungsschritte zu gehen, wird die Wirkung eine andere sein. In diesem Text werden einige veränderungsförderliche Haltungen beschrieben. Auch diese Haltungen sind als Vorschläge zu verstehen, die helfen sollen, mit den eigenen Haltungen bewusster und vielleicht auch transparenter umzugehen.
Gianfranco Cecchin – Systemiker der ersten Stunde – hat betont, dass wir nur hilfreich sein können, solange wir (noch) neugierig sind (Cecchin, 1987). Demnach sollten Coaches vorsichtig sein mit zu frühen den Prozess abschließenden Lösungsideen. Zu früh vom Coach formulierte Lösungsideen holen den Klienten häufig nicht da ab, wo er steht, und engen den Lösungsraum ein. Das bedeutet gleichzeitig, dass der Coach seinen eigenen Druck, Lösungen zu finden und damit seine Kompetenz und Erfahrung zu demonstrieren, bewusst in der Schwebe halten sollte, um nicht vorschnell nach Lösungen zu greifen, die zwar für seine Selbstsicherheit, aber nicht für den Klienten hilfreich sind. Nützlicher ist in der Regel, beim anderen zunächst durch Fragen kreative Denkprozesse auszulösen.
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