Der Coaching-Markt 2008

Ein Überblick

Der Coaching-Markt 2008
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Nach den Ergebnissen des European Coaching Survey 2007/8 dürften weltweit etwa 50.000 Personen als Business Coach tätig sein, davon in Europa ca. 17.000. Innerhalb Europas ist das Coaching wiederum im Vereinigten Königreich Großbritannien und Nordirland (UK) und in der Bundesrepublik Deutschland am weitesten verbreitet. Die größte Anzahl von Coachs ist im UK tätig (ca. 7.500 Coachs). Bei einer Einwohnerzahl von 60,2 Mio. kommt im UK auf ca. 8.000 Personen ein Coach.

In Deutschland wird die Zahl der professionellen Coachs auf etwa 5.000 Personen geschätzt (Coaching-Umfrage Deutschland 2007). Bei einer Einwohnerzahl von 82,4 Mio. kommt auf ca. 16.500 Menschen ein Coach. Im Vergleich zum UK sind in Deutschland also bezogen auf die gesamte Einwohnerzahl nur ca. 50% so viele Coachs tätig, was auf ein entsprechendes Wachstumspotenzial des Marktes hindeutet.

Rechnet man die Anzahl der Coachs im UK auf die gesamte Europäische Union hoch (Bevölkerung im Januar 2008: 497 Millionen), würden in der EU theoretisch insgesamt ca. 100.000 Coachs tätig sein können. Aufgrund der erheblichen wirtschafltichen Unterschiede in der EU ist dieser Vergleich zwar nur begrenzt sinnvoll, zeigt aber das grundsätzliche Potenzial des Coaching-Marktes mit Blick in die (fernere) Zukunft.

1.000 Führungskräfte pro Coach

Zielgruppe der Coachs sind zu ca. 75% Führungskräfte, Manager und Projektleiter. Wie groß die Gesamtzahl der Führungskräfte in Deutschland ist, kann geschätzt werden. Da es in Deutschland ca. 3 Millionen Unternehmen gibt (Quelle: Wikipedia) und zudem noch zahlreiche andere Organisationen mit Führungskräften existieren (Öffentliche Betriebe, Verwaltungen usw.) kann man selbst bei konservativer Schätzung von deutlich über 4 Millionen Führungskräften und Unternehmern ausgehen. Diese Zahl wird vom Mikrozensus des Statistischen Bundesamtes aus dem Jahr 2004 gestützt: Hier wird von insgesamt 4,9 Millionen Führungskräften in Deutschland ausgegangen (Quelle: Broschüre "Leben und Arbeiten in Deutschland Ergebnisse des Mikrozensus 2004" des Statistischen Bundesamtes, S. 53). Auf einen professionellen Coach kommen daher in Deutschland zur Zeit ca. 1.000 Führungskräfte.

Deutliches Wachstum erwartet

Im Jahr 2007 wurden nach Schätzungen des Coaching-Report in Deutschland ca. 75.000 Coaching-Prozesse mit Führungskräften durchgeführt. Dies bedeutet, dass ca. 1,5% der deutschen Führungskräfte 2007 ein Coaching in Anspruch genommen haben – also in etwa jede 66. Führungskraft.

Zum Vergleich: Laut Harvard Businessmanager (März 2008, S. 40) werden bei Daimler und Volkswagen jährlich ca. 10% der Manager gecoacht. Daraus lässt sich ableiten, dass noch ein deutliches Wachstum des Marktes von mehreren 100% möglich ist, wenn Coaching auch zunehmend in kleinen und mittelständischen Unternehmen in Anspruch genommen wird.
Diese positive Sichtweise wird von den Coachs offensichtlich geteilt: Für das Jahr 2008 rechnen 76% der Coachs mit einer erhöhten Nachfrage (Coaching-Umfrage Deutschland 2007).

Coaching-Anlässe

Der wohl wichtigste Grund, Coaching in Anspruch zu nehmen, ist ein Mangel an Feedback über das eigene Verhalten, was in einem unrealistischen Selbstbild, beruflichen Orientierungsschwierigkeiten und allen darauf aufbauenden Problemen münden kann (Führungsprobleme, Konflikte, Karrierestillstand, Motivationsdefizit, Burnout, Leistungsabfall uvm.).

Diese Zusammenhänge sind vielen Coaching-Klienten vermutlich nicht bewusst. Entsprechend geben sie Beziehungs- und Konfliktfragen (28%) und neue (Führungs-)Aufgaben (17%) als Gründe für ein Coaching an. Erst an dritter Stelle rangieren Selbstreflexion und persönliche Entwicklung (15%) als Anlässe für ein Coaching. Es folgen Stressbearbeitung (11%), Teamkonflikte (11%), Karriere- und Zukunftsgestaltung (10%) sowie alltägliche Arbeits-/Problemsituationen und Entscheidungsfragen (8%) (Quelle: 4. Trigon Coaching Befragung 2007, Vogelauer, 2008).

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Coaching-Honorare

Honorarforderungen von seriösen Coachs bewegen sich in einem Rahmen, der für in der Wirtschaft tätige Berater normal ist, d.h. 100–300 Euro pro Zeitstunde. Die Kosten für ein Coaching sind somit vergleichbar mit den Honoraren von Unternehmensberatern oder anderen spezialisierten Experten.

In Abhängigkeit von der Qualifikation des Coachs und den Rahmenbedingungen des Auftrags liegen die Kosten für eine einzelne Coaching-Sitzung – diese hat meist eine Dauer von ca. 1–2 Stunden – zwischen 200–600 Euro zzgl. Umsatzsteuer und Spesen. Teilweise weisen die Kosten noch höhere Spannbreiten auf.

Laut der Coaching-Umfrage Deutschland 2007 (Middendorf & DBVC) kostet eine Coaching-Stunde durchschnittlich 155 Euro. Allerdings beteiligten sich bei dieser Umfrage auch viele Coachs, die mit Privatpersonen arbeiten. Insofern ist dieser Stundensatz nur bedingt für den Business-Bereich gültig.

Weitere Aussichten

Entscheidend für die Akzeptanz und den weiteren Erfolg des Coachings in der Wirtschaft dürfte u.a. sein, ob sich die Bestrebungen, qualitative Standards zu etablieren, im Markt durchsetzen werden. Problematisch ist, dass sich immer noch merkwürdige Anbieter auf dem Markt befinden.

Positiv kann hingegen vermerkt werden, dass die Zahl der relevanten deutschen Coaching-Verbände bei näherer Betrachtung nicht so groß ist, wie es in früheren Veröffentlichungen dargestellt wurde. Zwar gibt es viele Verbände (vgl. Übersicht der Coaching-Verbände im Coaching-Lexikon), doch haben nur wenige ein ernstzunehmendes Aufnahmeprozedere und Mitgliederzahlen vorzuweisen. Weiterhin gibt es noch "Marketing-Zirkel", die oftmals mit Verbänden gleichgesetzt werden, obwohl es sich um keine eingetragenen Vereine handelt, sondern um Initiativen, die eher Vermarktungssynergien schaffen sollen.

Zudem gibt es zahlreiche Verbände, deren Mitglieder "auch Coaching" anbieten, die Verbände selbst aber auf Training, Verkauf, Beratung, Therapie usw. fokussiert sind. Zum Teil ist darin eine Nachwirkung des Umstands zu sehen, dass Coaching oft nicht klar genug definiert und von anderen Disziplinen unterschieden wurde bzw. wird.

Mittel- bis langfristig kann hier eine Besserung der Situation erwartet werden. Der Deutsche Bundesverband Coaching e.V. (DBVC) – Initiator eines Roundtables der Coaching-Verbände – hat mit seinem im November 2007 publizierten Coaching-Kompendium "Coaching als Profession" Coaching unterscheidbar definiert und Grundlagen für eine seriöse Coaching-Praxis vorgelegt.

Literatur