Was ist Coaching?

Rezension von Dr. Christine Kaul

Was bewegt einen Wissenschaftler nach 30 Jahren Coaching-Erfahrung in Deutschland, ein solch umfassendes Werk zu diesem Thema vorzulegen? Es ist das Resümee eines langen Forscher- (und Praktiker-)Lebens.

Es handelt sich um nichts weniger als ein Grundlagenwerk, was einerseits den Nachteil mit sich bringt, dass vieles schon oft erläutert und dargestellt wurde. Andererseits kann der Lesende aus dem Vollen schöpfen, hier findet er detailliert und trotzdem prägnant und gut strukturiert alles zurzeit Wissenswerte zu Coaching.

Ziel der Veröffentlichung ist es, Brücken zu schlagen zwischen Wissenschaft und Praxis. Beide Bereiche haben sich lange weitgehend unabhängig voneinander entwickelt. Siegfried Greif versteht dies als großes Manko, dem er Abhilfe schaffen will, zumal beide Bereiche Wertvolles füreinander zu bieten haben. Der Auswahl der Inhalte zum Buch wurden zwei Kriterien zugrunde gelegt: die praktische Bedeutung und die wissenschaftliche Fundierung.

Der Autor führt die Leser von der Vielfalt der Coaching-Definitionen und deren Unterschieden zu anderen Beratungs- bzw. Therapiemethoden, über Arten von Coaching zum Thema Richtungen und Konzepte. Von diesen Themen haben Interessierte durchaus bereits wesentliches in anderen Publikationen erfahren. Ergiebig ist die Darstellung der evidenzbasierten Konzepte, hierunter subsummiert Greif auch sein eigenes Coaching-Modell.

Das Kapitel Methoden können erfahrene und ausgebildete Coaches problemlos überschlagen. Für Neulinge bietet sich hier die Möglichkeit des Auffrischens und Reflektierens von Ausbildungsinhalten, etwa zu Fragemethoden.

Wirklich lesenswert für Rezipienten aller Erfahrungslevel ist das Kapitel, in dem Greif seine eigene Konzeption des ergebnisorientierten Coachings darstellt. Im weitesten Sinne handelt es sich dabei um eines der vorher behandelten evidenzbasierten Modelle. Eklektizismus sowohl in Konzepten wie auch in der konkreten Coaching-Arbeit lehnt Greif kategorisch ab, daher zielt er darauf, ein offenes, integratives systemisches Konzept zu gestalten. Offen in dem Sinn, dass neue, wissenschaftlich belegte Bausteine jederzeit ins Konzept integrierbar bleiben, aber alles soll nur dann Eingang finden, wenn nachgewiesene Coaching-Effekte vorliegen. Der Autor unterscheidet verschiedene messbare Ebenen von Erfolg im Coaching: Basisfaktoren (Prozessführung, Wertschätzung und emotionale Unterstützung), Arbeitsebene und Meta-Ebene (z.B. Umsetzungsbegleitung durch Shadowing). Mit Fallbeispielen und vielen Verweisen gibt Greif einen Überblick zum Stand der wissenschaftlich belegten Erkenntnisse.

Den Abschluss bildet ein Kapitel über Zukunftsentwicklungen des Coaching-Marktes und der Digitalisierung mit einem Plädoyer für ein wissenschaftlich und praktisch fundiertes Coaching.

Fazit: Greif legt ein Grundlagenwerk über Coaching vor, das deutlich auch als Lern- und Reflexionslektüre verstanden sein will. Praktiker und Coaching-Neulinge können gleichermaßen profitieren. Erstere, indem sie das Angebot zur Reflexion ihrer Arbeit wahrnehmen, Letztere, wenn sie das Buch als Impulsgeber für die weitere Professionalisierung verstehen.



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