Toolbox Coaching

Rezension von Torsten Ferge

Erster Gedanke: Ist das ein Gesellschaftsspiel? Der zweite Impuls ist mehr ein Gefühl: Wie der Puls beim Unboxing eines neuen Tablets oder Laptops steigt. Aufregend. Der Finger überwindet den Widerstand des magnetisch schließenden Deckels der Toolbox und gibt den Blick frei. Und hier gibt es einiges zu entdecken: Bildkarten, Anleitungen, geführte Fragekarten, Arbeitsbuch, Coaching-Area-Matte aus Baumwolle und Kartenhalter. Wie ist was gedacht? Was hängt wie miteinander zusammen? Los geht’s ... 

Wäre es ein Buch, hätte es einen Autor. Aber es ist eine Kiste. Also hat es nicht nur einen, sondern mehrere „Kreatoren“. „Heavy Metal Coach“ Rainer Biesinger mit reichlich Lebens- und Selbsterfahrung bietet als Trainer alternative Wege zur Persönlichkeitsentwicklung und Suchtprävention an. Bärbel Römer ist Persönlichkeits- und Stimmtrainerin sowie Logopädin. Sie arbeitet am „Klang“ der Persönlichkeit. Und Darja Böhme steuert ihre Sicht als Persönlichkeitstrainerin und Grafikdesignerin bei. Alle drei verbindet das Seminarhaus NRW und ein origineller, kreativer Ansatz zur Fortschreibung der Persönlichkeitsentwicklung. 

Eigentlich sollte nun der Inhalt der Kiste im Detail benannt werden. Dann jedoch wäre der maximale Umfang dieser Rezension schnell erreicht. Anschaulicher zur Meinungsbildung für Coaches, Berater und Beraterinnen sowie Supervisoren ist die Idee, die in der Kiste steckt. Der neue Prozess beginnt mit der Stoffmatte „Coaching-Area“, die dem Klienten oder der Klientin die Überprüfung verschiedener Lebensbereiche anbietet und anhand eines abgestimmten Fragenkatalogs jeweils den Coaching-Bedarf erhebt. Zu jedem der acht Felder – z.B. Persönlichkeit/persönliches Wachstum, Beruf/Karriere, Geld/Finanzen oder Zukunft/Vision – bietet die Kiste eine vertiefende Methode an. Auf diese Weise kann der Coach den Prozess für den Klienten oder die Klientin transparent und selbstbestimmt planen, gestalten und vertiefen. Ganz praktisch. Damit sind das Kennenlernen und die ersten drei bis fünf Coaching-Sitzungen schnell und individuell entworfen. Zur Reflexion bzw. zum Perspektivwechsel zwischendurch bietet die Toolbox die Sieben-Kappen-Methode, eine Erweiterung von de Bonos „Sechs Hüten“, an. 

Zum Inhalt der Kiste gehört auch ein Anleitungsbuch. Hier werden auf 111 Seiten, darunter vier Seiten mit Literaturempfehlungen, die einzelnen Methoden wie beispielsweise das JoHaRi-Fenster, die Ballonfahrt oder die Walt-Disney-Methode erläutert. Darüber hinaus umreißt es auf den ersten Seiten Grundlagen zum professionellen Coaching wie Wirk- und Erfolgsfaktoren oder die Kernkompetenzen. Bei den Kernkompetenzen haben sich die drei Autorinnen und Autoren an die geltenden Standards der International Coach Federation (ICF) rückgebunden.

Die verwendeten Materialien der Toolbox (Maße: 25,3 x 35,6 x 6,97 cm) sind sehr wertig und stabil. Zusätzlich gibt es umfangreiches Online-Material: 107 Seiten mit Fragelisten, Tests, Tools, Verträgen, Arbeitsblättern etc. 

Diese Toolbox macht es dem Coach leicht. Schnell erschließen sich erfahrene Coaches Konzepte und Methoden. Für Anfänger senkt die Toolbox die Hemmschwelle, sich damit auszuprobieren. Also DAS Starter-Kit für Coaching-Beginner. Dennoch Achtung: Bei aller Praxis aus der Kiste braucht es den ausgebildeten Coach, der seinen Prozess reflektiert und den nächsten Schritt für den Klienten punktgenau überblickt und durchführt. Die Kiste könnte ein Einfallstor für Möchtegern-Coaches sein. Und obwohl beachtlich, ist der Preis für die Kiste angemessen.

Fazit: Reich befüllt und konzeptionell durchdacht richtet sich die Toolbox sowohl an Coaching-Anfänger und als auch an Erfahrene. Sie baut Brücken in die Lebenswelt der Klienten und Klientinnen, die eingeladen werden, neue Perspektiven zu erproben. 


Torsten Ferge

Coach und Supervisor
www.ferge-coaching.de 

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