Cover: Supervision erleben
Annette Sachse

Supervision erleben

Rezension von Jan-Christoph Horn

3 Min.

Supervision ist ein dem Coaching benachbartes Konzept personorientiert-reflexiver Beratung. Entstanden aus der Personalarbeit in Sozialer Arbeit ist das supervisorische Grundanliegen dem Coaching sogar verwandter, als es die weitere Genese – die Prägung der Supervision durch Anleihen bei psychologischer Beratung und der Gruppen-/Soziodynamik – vermuten lässt. Deswegen ist ein Blick in Literatur zu und über Supervision auch für Coaches interessant, auch wenn sich die beraterische Indikation (also die Frage: Wann Supervision? Wann Coaching?) unterscheiden wird. 

Das Buch „Supervision erleben“ verbindet „zu“ und „über“ miteinander. Denn es ist ein Buch zu Supervision, indem es über Supervision spricht, genauer: sprechen lässt. Von der Herausgeberin Annette Sachse angesprochen haben 14 Supervisorinnen und Supervisoren (einschließlich ihrer selbst) Fragen zu supervisorischer Haltung, Stil, Definition, Prozessverlauf, Form und Format, Beziehung und Methoden beantwortet sowie ein Praxisbeispiel gegeben. Der Herausgeberin ist mit dieser Idee Recht darin zu geben, dass sich Praxis nicht durch Theorie lernen lässt. „Man muss sie einfach machen. [...] So entsteht Erfahrung." (S. 13). Die Teilhabe an Erfahrungen ist also wesentlicher Lernkontext für Supervision (und ergänzt sei:) und Coaching, wovon auch die Verankerung von Lehr-Coaching in (professionellen) Coaching-Weiterbildungen zeugt. Die einzelnen Beiträge sind jeweils zehn bis 15 Seiten lang und damit gut zu rezipieren.

Durch das Interesse an ihrer Erfahrung bedingt, sind die meisten Erfahrungsgebenden schon lange „im Geschäft“, heißt aber auch: im fortgeschrittenen Lebensalter. Das ist insofern schade, als dass sich damit auch bestimmte generationsbedingte Erfahrungen wiederholt spiegeln. So interessant sie sind, so einseitig bleibt es. Auch das akademische Milieu ist überrepräsentiert und (vermutlich als Folge beider Dinge) Männer gegenüber Frauen. Die kritische Frage nach größerer Repräsentanz in der Auswahl beantwortet die Autorin selbst: Es sind Kolleginnen und Kollegen, von denen sie selbst in ihrer (Supervisions-)Biografie viel gelernt hat (S. 14). 

Damit ist auch ein weiterer relevanter Kontext des Buches angespielt: Supervision in Kirche. Die Beitragsgebenden sind allermeist Mitglied in der Deutschen Gesellschaft für Pastoralpsychologie (DGfP). Die DGfP ist ein renommierter Fachverband, der feldspezifisch (Seelsorge, Pastoral, Kirche) psychologisches Wissen und modern-professionelle Konzepte wie Supervision fruchtbar werden lässt. Deswegen gibt es auch ein Frageblock zur Spiritualität in Supervision. Die Herausgeberin versteht diesen Begriff elementar (S. 15), weswegen jedoch abermals die getroffene Auswahl an Befragten schade ist. Zumal die Herausgeberin auch hier zu Recht betont, dass es kaum Literatur zu diesem Themenzweig gibt. Der Befund ist eine Chance und es wäre interessant zu lesen, was Supervisorinnen und Supervisoren z.B. islamischen Bekenntnisses beigetragen hätten.

Das Konzept des Buches ist also einerseits schlüssig, andererseits bleibt der Raum, in dem von supervisorischem Erleben berichtet wird, eingegrenzt. Das freilich nimmt den einzelnen Erfahrungsberichten in sich nichts. Sie sind, auch in ihrer Unterschiedlichkeit, was die Vertiefung einzelner Fragen betrifft, durchaus lesenswert. Der Herausgeberin gebührt hier Dank, Erfahrungen zugänglich gemacht zu haben. Auch Coaches profitieren davon in weiten Teilen.

Fazit: Ein interessantes, erfahrungsreiches Lesebuch für alle, die an klientenzentrierter und pastoralpsychologisch orientierter Supervision interessiert sind.

Jan-Christoph Horn

www.janchrhorn.de

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