Ressourcenorientierte Transaktionsanalyse

Rezension von Torsten Ferge

Die Transaktionsanalyse veröffentlicht ihr aktuelles Album. Und auf dem Cover steht: „Ressourcenorientierte Transaktionsanalyse. Impulse für eine inspirierte Coaching- und Beratungspraxis“. Damit ist auch die Mission genannt, an der es sich messen will. Gespielt wird es von den Bandmitgliedern Bertine Kessel, Hanne Raeck und Dörthe Verres. 

Auf der Playlist sind einige alte Hits wie das Dramadreieck oder die Skriptanalyse zu finden, aber auch neuere Sounds wie Embodiment und Ressourcenorientierung sind zu hören. Die drei Autorinnen, allesamt beratungserfahrene Transaktionsanalytikerinnen, hieven den auf den ersten Blick etwas verstaubten TA-Ansatz direkt in die Coaching-Landschaft der 20er-Jahre des 21. Jahrhunderts. Die Bühne baut der V&R-Verlag, Göttingen. 

Kann dieser Stilmix gutgehen? Er kann! Mühelos, beinahe spielerisch verknüpfen die drei Autorinnen die zeitgenössischen Ergebnisse der Hirnforschung mit älteren Annahmen der Humanistischen Psychologie. Sie sind sich nicht zu schade, an das Ende eines jeden Abschnitts mehrere weiterführende Literaturhinweise zu schreiben. Damit bauen sie den Lesern Brücken zur Vertiefung einzelner Aspekte, redlich und transparent in ihrer wissenschaftlichen Herangehensweise. 

Dem Titel spürbar gutgetan haben die unterschiedlichen beraterischen Ausrichtungen der Autorinnen. Kessel deckt die nationale wie internationale Businessberatung ab. Raeck hat Kitas, Schulen und die Ausbildung von Lehrpersonen im erziehungswissenschaftlichen Blick. Und Verres bringt eine therapeutische Sichtweise mit. Alle drei stehen in ihrem jeweiligen praktischen Beratungshandeln. Dafür weist das Buch reichlich praktische Rückbindungen aus. 

Die acht Kapitel kommen nach kurzer Abhandlung von Geschichte und Grundlagen direkt zur Sache. Aktuelle Erkenntnisse aus Forschung und Praxis werden auf den beraterischen Zugang zu Potenzialen gelenkt. Gefühle werden als Wegweiser zu Grundbedürfnissen herausgearbeitet. Und erfüllte Bedürfnisse entfesseln Potenziale, so eine gefolgerte Arbeitsthese. „Das Wissen um das eigene Lebensskript hilft, sich selbst zu organisieren“ – könnte eine andere lauten. So legt das Buch Schritt für Schritt Schlüsselrohlinge bereit, die der Coach vor Ort für die Klienten passend feilen kann. So lassen sich Fälle, Konstellationen, Perspektiven erschließen. Und nach der Analyse kann bei den Klienten alternatives Handeln kommen. 

Gibt es auch etwas zu meckern? Gibt es. Zwar weist bereits der Buchdeckel auf die Verfügbarkeit von Online-Material zum Download hin. Allerdings fehlen Vorschläge und Nutzungsimpulse für die digitale Online-Beratung mit diesem Ansatz völlig. Die pandemiegetriebene Verschiebung aus dem analogen in den digitalen Beratungsraum macht die Lücke spürbar: Online fehlt. Bei einem Titel von 2021 mag das verwundern. In der Gesamtschau aber gilt: Der Spaß, oder vornehmer ausgedrückt, die Inspiration am Thema und am Nachlauschen der Autorinnen ist dem Buch anzumerken. 

Fazit: Die souveräne Führung durch die modernisierte transaktional analysierte Landschaft macht Lust, auf dieser Basis zu beraten. Für Praxisorientierung ist mit reichlich Arbeitsblättern und einem über 70-seitigen „Werkzeugkasten“ gesorgt. Es kann eine uneingeschränkte Leseempfehlung ausgesprochen werden. Legen Sie sich dieses Album auf den Plattenteller.


Torsten Ferge

Coach und Supervisor
www.ferge-coaching.de 

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