Cover: Professionell coachen mit Bildmaterialien. Die Sprache des Unbewussten verstehen und nutzen.
Jasmin Messerschmidt

Professionell coachen mit Bildmaterialien. Die Sprache des Unbewussten verstehen und nutzen.

Rezension von Günther Mohr

3 Min.

Jasmin Messerschmidt hat in komprimierter Form ein Buch über den Einsatz von Bildmaterialien im Coaching veröffentlicht. Das Buch "Professionell coachen mit Bildmaterialien" geht von der Möglichkeit aus, mithilfe von Bildern an unbewusste Ebenen des Menschen heranzukommen, um die dort vorhandenen Ressourcen zu nutzen. Sie beginnt mit einigen hirnphysiologischen Unterscheidungen zum Verstand und zum Unbewussten. Der Begriff des Selbst spielt im Ansatz von Messerschmidt ebenfalls eine große Rolle: ergebnisorientierte Selbstreflexion, selbstkongruente Lebensführung und Selbstreflexions- und stimmige Entwicklungsprozesse. Die theoretischen Ansätze von Antonio Damasio und Wilma Bucci werden vorgestellt. Buccis Konzept der verschiedenen Phasen in der Entwicklung dient als Hintergrundtheorie für die Bedeutung der vorsprachlichen Abschnitte. Bilder übersetzen dann zwischen bewussten und unbewussten Ebenen. „Hier kann der Einsatz von Bildern auf eine angenehme, unkomplizierte und gleichzeitig effektive Art und Weise Entwicklungsprozesse gut unterstützen.“ (S. 2)

Als Beispiel für praktische Vorlagen dient das Zürcher Ressourcenmodell. Bilder sind ein möglicher Zugang zum Unbewussten. Mithilfe des Nachspürens der somatischen Marker wählt dort der Klient aus 64 Bildern drei bis fünf aus, die bei ihm positive Gefühle erzeugen. Dann folgt ein Assoziationsverfahren, in dem die bisher unbewusste Bedeutung der Bilder herausgearbeitet wird. Aus dieser unbewussten Bedeutung lässt sich dann auf Bedürfnisse und unerfüllte Lebenswünsche zurückschließen, die im nächsten Schritt zu inneren Haltungszielen verdichtet werden und anschließend in konkrete Handlungsaktionen umgesetzt werden. Auch Ideen, wie man sich selbst eigene Bildmaterialien zusammenstellen kann, werden gegeben. Die zentrale Frage, die die Bildmaterialien im Coaching unterstützend erleichtern sollen, ist für die Autorin: „Was hat die Resonanz, die das Bild in mir auslöst, mit mir und meinen Lebensthemen zu tun?“ (S.13)

Messerschmidt beschreibt die Nutzung der Bilder im Einzelcoaching. Sie ergänzt außerdem andere Möglichkeiten, so etwa zunächst selbst ein Bild vom Anliegen malen zu lassen und dann vorgelegte Materialien zu nutzen. Auch eine Verknüpfung von Bildern zur Symbolisierung der Charakterstärken nach der Positiven Psychologie von Seligman wird vorgeschlagen.

Ein Fallbeispiel sowie Betrachtungen zu geeigneten und schwierigen Situationen und zu den Grenzen des Bildeinsatzes runden den kompakten Band (55 Seiten) ab. Insgesamt bietet das Büchlein aber eine Menge Inhalt auf wenigen Seiten. Etwas formal irritierend sind an manchen Stellen die dreistufigen Quellen. So wird Buccis „Multiple Code Theory“ (2002) von Maja Storch (2009) bezogen, die wiederum nach Weber zitiert wird.

Fazit: Insgesamt stellt Messerschmidt ein anregendes Buch vor. Neulingen im Coaching bietet es eine kurze Einführung in das Arbeiten mit Bildmaterialien, während es etablierten Coaches einen Anstoß gibt, diesen Zugang zu unbewussten Anteilen der Klienten verstärkt zu nutzen.

Günther Mohr

Hofheim
www.mohr-coaching.de
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