Cover: Der Leaders Coaching Circle
Axel Klimek

Der Leaders Coaching Circle

Rezension von Janine Wunder

3 Min.

„Der Fisch ist der letzte, der das Wasser entdeckt.“ (S. 7) Mit diesem Bild beschreibt Axel Klimek eine Problematik von New Work und Führung: Was uns vertraut ist, nehmen wir weniger bewusst wahr. Unsere Denkmuster, Gewohnheiten und inneren Bilder begleiten uns so selbstverständlich, dass wir sie kaum noch als etwas erkennen, das wir neu entdecken oder gar hinterfragen könnten.

Klimek lädt Führungskräfte im ersten Teil von „Der Leaders Coaching Circle“ deshalb dazu ein, ihr eigenes „Wasser“ zu erkunden. Welche Annahmen bestimmen meine Wahrnehmung? Wie treffe ich meine Entscheidungen? Wie beeinflusst meine persönliche Sichtweise die Menschen und die Systeme, in denen ich mich bewege? 

Von dort aus nimmt Klimek die Leserinnen und Leser mit in die Herausforderungen heutiger Führung: VUKA-Dynamiken, hybride Organisationsformen, Transformation und Systemik bilden den Kontext. Darauf aufbauend beschreibt er sechs Coaching-Formate – Personal, Skills, Development, Performance, Transformation und Emergent Coaching –, die unterschiedliche Zugänge zur Stärkung von Führungskräften eröffnen.

Der Leaders Coaching Circle wird in Teil II beschrieben. Das Format ist ein Lern- und Reflexionsraum für sechs bis zehn Personen über mehrere Monate und vor allem von offenem Dialog, gegenseitiger Unterstützung und Peer-Coaching geprägt. Aus individueller Führungskräfteentwicklung wird so ein kollektiver Lernprozess. Die Führungskraft muss ihre Antworten nicht allein finden, sondern bekommt zusätzlich eine Außenperspektive. Persönliche Entwicklung, Teamdynamik und organisationale Wirkung werden miteinander verwoben, Leadership als Wechselspiel von Selbstführung, Beziehungsarbeit und Systemgestaltung betrachtet. Klimek bleibt nicht bei der bekannten Forderung nach mehr Selbstreflexion stehen, sondern fragt, was geschieht, wenn diese zum Bestandteil eines sozialen Systems wird. Führung wird damit nicht nur als individuelle Kompetenz verstanden, sondern als Beziehungsgeschehen. 

Diese Perspektive führt Klimek weiter, indem er den Leaders Coaching Circle mit Systemic Team Coaching verbindet. Die im ersten Teil beschriebenen Coaching-Formate werden konsequent auf Teams übertragen sowie auf das Team of Teams, also die zusätzliche Wirkung von Teamleistung auf andere interne oder externe Teams und Stakeholder.

Wer sich bereits intensiv mit systemischem Coaching, Leadership Development oder Organisationsentwicklung beschäftigt, wird auf ein größtenteils bekanntes Terrain an Gedanken und Methoden stoßen. Klimek ordnet diese bewährten Bausteine jedoch auf eine neue Weise, verbindet sie und übersetzt sie in ein konkretes, gut nachvollziehbares Format. Wer Führung als Habitus begreifen will, findet in seinem Werk einen inspirierenden und praxistauglichen Begleiter. Wer methodische Strenge oder breite empirische Evidenz sucht, wird ergänzende Quellen benötigen.

Fazit: „Der Leaders Coaching Circle“ ist vor allem Führungskräften zu empfehlen, die Führung nicht nur als individuellen Lern- und Entwicklungsprozess verstehen, sondern sich zudem im Austausch mit anderen reflektieren möchten. Auch Coaches und HR-Verantwortliche finden zahlreiche Anregungen für die Gestaltung von Lernräumen. Wie der Fisch, der erst spät das Wasser entdeckt, können auch Führungskräfte lernen, ihr eigenes Wirken neu zu entdecken, um vom „Gewohnten Wir“ zum „Möglichen Wir“ zu kommen.

Janine Wunder

hello@janinewunder.de

Nach oben