Der Coaching-Prozess. Der Weg zu Qualität: Leitfragen und Methoden. Erlangen: Publicis.

Rezension von Rainer Niemeyer


Der Coach und Autor Klaus-Günter Struck ist es leid, die Frage "Coaching - was ist das eigentlich?" nur unzureichend beantworten zu können. Mit seinem Buch "Der Coaching-Prozess" versucht er, diese Lücke in der Begriffsschärfung zu schließen, und nimmt den Leser mit auf die Suche nach einer konzeptionellen Spezifikation von Coaching, ergänzt durch einen methodischen zweiten Teil, welcher mit Leitfragen und Arbeitstechniken konkrete Anregungen für den Beratungsalltag gibt.

Unterhaltsam und dennoch fundiert betrachtet er den kleinsten gemeinsamen Nenner der bestehenden Ansätze und schafft es dabei, ohne die ohnehin vielfältige Coaching-Literatur um eine weitere allgemeingültige Definition zu erweitern, die Anwendungsschwerpunkte, Methoden und Wirkfaktoren von Coaching eindeutig abzugrenzen. Er verliert nie den Blick über den Tellerrand aus den Augen und nimmt immer wieder auf die Ursprünge und anderen Anwendungsbereiche von Coaching, wie zum Beispiel Sport, Bezug. Sein Ziel ist es, Substanz in die Coaching-Diskussion zu bringen, sein Fokus liegt dabei aber gleichzeitig auf der Handhabbarkeit der vermittelten Informationen, operationalisiert durch immer wieder eingeschobene Fazitsätze.

Die Schlussfolgerungen sind praxisorientiert und unmissverständlich: Der Coach muss seine eigenen Methoden verstehen, um den Coachee in seinem zielorientierten Tun unterstützen zu können. Als Handwerkszeug bietet er dem Leser eine, bis in Details differenzierte, Erklärung der Handlungstheorie, als konzeptionelle Grundlage eines jeden Coachings. Im Kapitel Business- oder Management-Coaching beleuchtet er die besonderen Themenfelder, die beim Coaching von Führungskräften berücksichtigt werden sollten - dabei insbesondere die Themen Komplexitätsreduktion und Umgang mit Barrieren.

Der zweite Teil des Buches bietet nach der begrifflichen Differenzierung methodisches Know-how für den Coach oder Berater. Zu jedem Abschnitt des von ihm bereits im ersten Teil erläuterten Coaching-Zyklus bietet er an dieser Stelle Leitfragen, die in sechs Kapiteln ausführlich erläutert und ergänzt werden. Ziele definieren, Potenziale ermitteln und Maßnahmen bewerten, entwickeln und umsetzen sind nur einige der behandelten Themen.

Der Anspruch des Buches, jungen und erfahrenen Coachs aller Ansätze und konzeptionellen Richtungen gleichermaßen gerecht zu werden, spiegelt sich u.a. im letzten Kapitel wieder. Struck liefert hier gleichzeitig eine Erklärung für Coaching-Neulinge, für den Umgang mit dem Coaching-Zyklus, eine Wiederholung seiner wichtigsten Kernthesen und die Begründung der in diesem Buch zum Thema Coaching vertretenen Auffassung.

Wenn der Leser nach der Lektüre dieses Buchs noch immer ein Verfechter anderer Coaching-Konzepte sein sollte, so liefert ihm der Autor - ganz in seinem Sinne - zumindest die Grundlage für eine kritische Diskussion: ein konkretes, gewissenhaft abgegrenztes Konzept.

"Der Coaching-Prozess" wird den Ansprüchen des Klappentextes im Wesentlichen gerecht; es ist ein sehr pragmatisches Buch und birgt für die Leser einen gewissen Neuwert, ohne dabei auf Kompromisse oder allgemeingültige Aussagen zurückzugreifen. Der Autor versteht es, Theorie und praktische Relevanz unter einen Hut zu bringen und den Leser trotz fachlicher Tiefe auf 250 Seiten zu unterhalten.



Rainer Niemeyer

Kienbaum Management Consultants
niemeyer@niemeyer.com

Cover Der Coaching-Prozess. Der Weg zu Qualität: Leitfragen und Methoden. Erlangen: Publicis.

  • von Klaus-Günter Struck (10.01.2006)
  • Publicis Publishing
  • ISBN: 3895782653, 249 Seiten
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