Claas Triebel

Das bin ich. Das kann ich. Das will ich

Rezension von Almut Siegert

4 Min.

Beschäftigte in Deutschland sind auf dem Sprung. Der Wunsch nach beruflicher Neuorientierung ist derzeit so hoch wie nie zuvor, das zeigt eine 2023 veröffentlichte Studie der Beratungs- und Prüfgesellschaft Ernst & Young (EY). 63 Prozent der dort Befragten suchen aktiv eine neue Stelle oder wären bereit zu wechseln, wenn sich etwas Passendes ergibt. Eine Situation, in der die Reflexion über die eigenen Möglichkeiten und Kompetenzen zwingend notwendig ist. Ein Angebot dazu macht Claas Triebel. Er ist Psychologe, Coach und Gründer und hat in den vergangenen zwanzig Jahren die Kompetenzenbilanz entwickelt. Seit einigen Jahren bietet er zudem eine Weiterbildung zum Kompetenzenbilanz-Coach an. 2017 bewertete die Stiftung Warentest die Kompetenzenbilanz als bestes Verfahren von 11 getesteten Ansätzen. 

Ein erstes Buch zur Kompetenzenbilanz hat Triebel bereits 2022 vorgelegt. „Wer bin ich? Was kann ich? Was will ich? Potenzialorientiertes Karrierecoaching“, ebenfalls erschienen bei Klett-Cotta (zur Rezension). Darin wendet er sich explizit an Coaches. In dem 2023 erschienenen Biografie-Workbook, um das es hier geht, motiviert Triebel nun Leser und Leserinnen, selbst individuelle Antworten zu finden, ganz gemäß dem Motto „Hilfe aus eigener Kraft“, das auf dem Buchcover ausgegeben wird.

Was ist die Kompetenzenbilanz? Es handelt sich dabei um einen klar strukturierten Coaching-Prozess. Aus der Biografie, aus den zentralen Werten sowie mithilfe einer Feinanalyse von Tätigkeiten und Fertigkeiten des Klienten werden systematisch wesentliche Kompetenzen herausgearbeitet. Entsprechend dieser festgelegten Schritte sind auch die fünf Kapitel des Workbooks aufgebaut. Zu Beginn berichtet Triebel, wie er seit 2003 die Kompetenzenbilanz entwickelt hat. Er zeigt sich dabei stets nahbar und berichtet von eigenen Erfahrungen und Karrierewegen. 

Das Herz des Buches bilden die drei Kapitel „Das bin ich“, „Das kann ich“ und „Das will ich“. Triebel erläutert kurz, verständlich und anhand von Beispielen aus der Praxis, worum es genau geht und gibt Input zum theoretischen Hintergrund. Er erklärt etwa in Kapitel 3 das von ihm entwickelte SKATE-Modell, das er als Tool anbietet, um herauszufinden, welche Fähigkeiten jemand hat, welches Wissen, welche Motivation, welches Talent und welche Erfahrung. Oder er unternimmt kleine Exkurse, etwa Kapitel 4 über „die Philosophie der kleinen Schritte“. Dazu gehören in jedem Kapitel Frage- und Aufgabenbögen, die die Leserinnen und Leser selbst bearbeiten, schriftlich oder in Gedanken. Alle im Buch vorgestellten Materialien können auf der Website des Verlages heruntergeladen werden. 
Im letzten Kapitel leitet Triebel seine Leser und Leserinnen an, das Erarbeitete zu einem Ganzen zusammenzufügen, um nun sagen zu können: „Das bin ich. Das kann ich. Das will ich.“ Das Biografie-Workbook belohnt mit konkreten, nutzbaren Ergebnissen – das ist ein großes Plus. Was diesen Ansatz zusätzlich auszeichnet: Er lädt dazu ein, den Blick konsequent nach innen zu richten. Kurz: Es geht nicht um die Anforderungen und Ansprüche, die von außen an uns herangetragen werden, sondern um das ureigene Können und Wollen. Gerade in herausfordernden Momenten des (beruflichen) Umbruchs können mit dieser Perspektive Schätze gehoben und der Selbstwert gestärkt werden. Gegen den etwas schulbuchartigen Charakter des Workbooks könnte sprechen, dass es Menschen gibt, die sich von dem sehr strukturierten und geleiteten Coaching-Prozess eingeengt fühlen. 
 

Fazit: Coaches, die die Kompetenzenbilanz noch nicht kennen, können sich mit dem schmalen Band schnell einen ersten, fundierten Überblick über die Methode verschaffen – oder sie im Selbstversuch kennenlernen. Plus: Claas Triebel spricht seine Leser und Leserinnen im Buch direkt an – andere Coaches können die Lektüre des Workbooks als „Blick über die Schulter“ nutzen, als anregende Möglichkeit, einem Kollegen bei der Arbeit zuzusehen.

Almut Siegert

www.almutsiegert.de

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