Cover: Coachingpsychologie: Grundlagen, Methoden und Anwendungsgebiete
Markus Quirin, Eva Jonas, Carolin Graßmann

Coachingpsychologie: Grundlagen, Methoden und Anwendungsgebiete

Rezension von Dr. Christine Kaul

3 Min.

Das vorliegende Herausgeberwerk versteht sich als Lehrbuch, dessen Lektüre Studierte mit einem Kenntnisstand Bachelor voraussetzt. Es wird also ein recht hohes Niveau an psychologisch-wissenschaftlichem Wissen erwartet. Allerdings sollen sich auch generell thematisch Interessierte angesprochen fühlen.

Die Dreigliederung Grundlagen – Methoden – Anwendungsgebiete legt einen deutlichen Schwerpunkt auf Letzteres. Die Intention der Herausgeber ist es, Coaching, genauer: psychologischem Coaching, einen weiteren entscheidenden Impuls für Professionalisierung zu geben und entschiedene Grenzen zu ziehen zu nicht-wissenschaftlichen Formen von Coaching. Dem unter Coaches vielfach verbreiteten Eklektizismus wird eine Absage erteilt. Das Lehrbuch soll die Grundlegung einer integrativen Theorie psychologischen Coachings sein, mit Verfahren und Methoden, die sich in das Gesamtgeschehen psychologischen Funktionierens einordnen lassen. 

Herausfordernd für Lesende, die dem wissenschaftlichen Jargon ferner stehen, mag der erste Teil mit „Theorie und Grundlagen“ erscheinen. Es präsentieren sich hier wissenschaftlich-fachliche Grundlagen, Wirkprozesse sowie ein Grundlagenmodell der Selbststeuerung. Umso mehr überraschen z.B. ausgesprochen banale Fallbeispiele etwa zur Gestaltung eines Erstkontaktes. Ein Dilemma, das im weiteren Verlauf des Buchs immer deutlicher wird: Wie ist die Zielgruppe definiert – „Interessierte“ oder „Studierte“? Letzteren sollte z.B. der Unterschied zwischen externaler und internaler Attribution geläufig sein (Eva Jonas & Anna Moser, S. 376).

Eher kurz und kurzweilig (!) zu lesen, legen Robert Tomoski und Markus Quirin dar, in welcher Art E-Coaching, KI und andere digitale Trends Einfluss auf Coaching nehmen. Ethische Fragen und Qualitätsmerkmale erweisen sich als Aspekte, die besonderer Aufmerksamkeit bedürfen. Illustrierend und zur Auflockerung sind KI-generierte Zeichnungen integriert. Ebenso kurz wird „Gesprächsführung“ abgehandelt, wohl unterstellend, dass die lesende Klientel andernorts damit bereits vertraut gemacht wurde. Das folgende Kapitel zu Methoden und Techniken nimmt den geringsten Anteil im Gesamtwerk ein. Mit Siegfried Greif bearbeitet hier der Nestor der deutschen Coaching-Forschung das Thema der Selbstreflexion im Coaching, das insgesamt von ihm als die Förderung ergebnisorientierter Selbsterforschung verstanden wird.

Zuletzt widmet sich das Buch ausgiebig den Anwendungsgebieten psychologischen Coachings. Angesichts des sich zunehmend veränderten Blicks auf Arbeit im Gesamtlebenskonzept ist hier das Boundery Management Coaching beachtenswert: Zufriedenheit und Wohlbefinden zeigen deutlich Korrelationen dazu, wieweit es gelingt, positive Interaktionen zwischen den Lebensbereichen zu finden. Der Bogen spannt sich vom Studierenden-Coaching, über Gründer-Coaching, Sport- und Gesundheits-Coaching bis zu Karriere-Coaching.

Fazit: Ein Lehrbuch, „wie es im Buche steht“! Umfassend und von hoher fachlicher Kompetenz. Ein psychologisch-akademisches Studium ist zum nutzbringenden Gebrauch allerdings wünschenswert.

Dr. Christine Kaul

christine.kaul@gmx.com

Nach oben