Eine Einordnung vorweg: Das Buch ist eine erweiterte Neuauflage aus dem Jahr 2002. Besprochen wird jedoch nicht der Unterschied zum damaligen Buch, sondern das Buch in seiner heutigen Form.
Mit Maren Fischer-Epe legt eine erfahrene Coach eine, genauer gesagt: ihre, grundlegende Einführung in das personorientiert-reflexive Beratungskonzept Coaching vor. Durch das Vorwort des bekannten Kommunikationspsychologen Friedemann Schulz von Thun und das Titelwort „Miteinander“ (in Anlehnung an die Buchreihe „Miteinander reden“) ist die Einordnung des Buches in diesen Hintergrund erkennbar und wird auch nicht verschwiegen. Auch im Inhalt tauchen die bekannten Modelle wie das Innere Team und das Wertequadrat auf. Doch bleibt die Verbindung dezent, werden nicht hinter der Hand Produkte angeboten. Allemal ist die Verbindung auch sinnvoll und wird professionell genutzt.
Das Buch ist handlich, gut strukturiert, im Umfang der Kapitel und insgesamt gut zu erschließen. Fischer-Epe hat eine unaufgeregte Erzählsprache, die lebens- und praxisnah die Themen erarbeitet. Immer wieder bieten gelungene Illustrationen eine alternative Weise der Aneignung von Inhalten auf. Das Buch bewegt sich gekonnt zwischen Grundlagenwissen und konkreten Ideen für die Gestaltung von Coaching.
Dem Hintergrund entsprechend ist das Verständnis von Coaching pädagogisch ausgerichtet und beschreibt Coaching stärker als indikatives Verfahren. Coaching wird verstanden als „eine professionelle Reflexions- und Entwicklungshilfe mit dem Ziel, Handlungsalternativen und eigenständige Lösungen zu entwickeln.“ (digitale Ausgabe S. 17) Das macht Coaching als Konzept etwas „ortslos“, konkrete Anlässe für Coaching (im Sinne von „um zu“) werden nicht benannt. Umgekehrt zahlt der, genauer: dieser, pädagogische Hintergrund voll auf eine humanistische Haltung im Coaching ein, was, unabhängig von und vor allen Methoden und Tools, als grundsätzlich entwicklungsfördernd positiv hervorzuheben ist. Dementsprechend wird der neuzeitliche Ursprung des Coachings auch in einem kurzen geschichtlichen Abriss (digitale Ausgabe S. 13–15) – korrekterweise – in einem Bildungskontext und nicht (wie häufig) in einem Managementkontext markiert. Aber Coaching war erst personales Instrument, bevor es ein Personal-Instrument wurde.
Fischer-Epe führt die Lesenden im Hauptteil durch die Landschaft des Coachings. Als Symbol wählt sie einen Werkzeugkoffer mit sieben Einsätzen, u.a. „Zuhören“, „Lösungsorientiert vorgehen“ und „Kommunikation reflektieren“. Nach und nach wird daraus eine Landkarte, mit der man gut orientiert in die Coaching-Praxis gehen kann.
Positiv zu vermerken ist, dass und wie die Grenze zwischen Coaching und Psychotherapie gezogen wird (Kapitel 3.3.), dass die „psychologische Welt“ (Kapitel 2.6.), also die Integration von Kenntnissen über das Erleben und Verhalten von Menschen, einbezogen wird und auch der Hinweis auf die Notwendigkeit, Dreiecksverhältnisse in der Auftragsklärung zu klären, nicht fehlt (digitale Ausgabe S. 295f). Gut bearbeitet wird auch das Diskussionsthema „Coaching in der Führungsrolle“ (Kapitel 5). Etwas irritierend ist, dass es unter der Überschrift „Themenzentriert vertiefen“ (Kapitel 2.7.) nicht um den Einbezug der Ansätze aus der Themenzentrierten Aktion (TZI) geht, mit der Friedemann Schulz von Thun eng verbunden ist.
Ein Stichwortregister, welches Querzugriff anhand zentraler Begriffe ermöglicht, sowie ein Literaturverzeichnis, welches die relevanten Vertiefungswerke aufführt, runden den insgesamt positiven Eindruck der Veröffentlichung ab. Wie schön, dass die inhaltliche Erweiterung zu dieser Neuauflage und damit neuer Aufmerksamkeit geführt hat.
Fazit: Eine sehr gelungene Einführung in Idee und Umsetzung entwicklungsfördernden Coaching. Der Transfer in Einsatzkontexte und Berufswelten fehlt, wird aber auch nicht versprochen.
Jan-Christoph Horn