Cover: Coaching? Ja, aber richtig!
Astrid Kellenbenz, Susanne Henkel

Coaching? Ja, aber richtig!

Rezension von Almut Siegert

4 Min.

Der Coaching-Markt wächst und verändert sich stetig. Die drei größten Zielgruppen von Coaching sind derzeit Privatpersonen, das mittlere Management in Konzernen sowie das Top-Management in kleineren und mittleren Unternehmen (siehe RAUEN Coaching-Marktanalyse 2024). Der Deutsche Coaching Verband (DCV) schätzt, dass es in Deutschland etwa 14.000 zertifizierte Coaches gibt (siehe DCV-Website). Diese haben in der Regel eine Ausbildung oder einen Zertifizierungsprozess bei einem der über 30 Coaching-Verbände abgeschlossen. Dazu kommen laut DCV schätzungsweise noch rund 40.000 Coaches ohne Zertifikat – wie viele es genau sind, ist unklar. Sicher ist: Ausbildung und Qualifikationen variieren stark, ebenso die ethischen Standards, denen sich Coaches verpflichtet fühlen. Daraus erwachsen spezifische Herausforderungen: Seriös arbeitende, qualifizierte Coaches müssen ihre Professionalität einmal mehr sichtbar machen und sich von Coaching-Angeboten abgrenzen, deren Geschäftsmodell im Extremfall auf sektenartigen Versprechen und aggressiven Verkaufsstrategien basiert. Dass die Berufsbezeichnung „Coach“ nicht geschützt ist, ist eine zusätzliche Widrigkeit. 

Hier setzt der Band „Coaching? Ja, aber richtig!“ an. Auf 110 Seiten gelingt eine präzise Positionsbestimmung, was professionelles systemisches Coaching ausmacht. „Dieses Buch will Orientierung bieten, ein Kompass sein für Professionalität versus Blendwerk, und aufzeigen, wie groß das Potenzial von Coaching ist – wenn es auf fundierter, ethischer und menschenzentrierter Grundlage praktiziert wird“, schreiben die beiden Autorinnen (S. 8). Susanne Henkel und Astrid Kellenbenz sind systemische Coaches, Ausbilderinnen für systemisches Coaching, Gründerinnen der Online-Akademie Coachingbande sowie Gastgeberinnen des gleichnamigen Podcasts.

Das Buch ist in sieben Kapitel aufgeteilt: 

  • 1. „Was ist Coaching eigentlich?“ Hier wird der Ursprung des Begriffs Coaching erläutert (Für Neugierige: Begriffsgeber war der ungarische Ort Kocs. Dort wurden im 15. Jahrhundert besonders komfortable und gut gefederte Kutschen hergestellt. Aus dem ungarischen Wort „Kocsi“ für Kutsche leitete sich später das englische Wort „Coach“ ab, das im 19. Jahrhundert zunächst für Tutoren verwendet wurde, die Studierende auf Prüfungen vorbereiteten.) Des Weiteren werden in diesem Kapitel Therapie, Beratung und Coaching voneinander abgegrenzt.
     
  •  2. „Herkunft und Entwicklung des systemischen Ansatzes“: Von Sokrates und Platon, Norbert Wiener und dem Palo-Alto-Kreis über Niklas Luhmann, Steve de Shazer und Insoo Kim Berg werden in diesem Kapitel entscheidende Impulsgeber und -geberinnen vorgestellt. Ebenso gehen die Autorinnen auf die psychologischen Wurzeln von Coaching ein: Sigmund Freud, Alfred Adler, Carl Gustav Jung, Carl Rogers, Viktor Frankl, Virginia Satir und Albert Bandura.
     
  •  3. „Coaching und Ethik“: Kurz und konkret formuliert, bieten 13 Punkte Orientierung über die ethische Haltung beim Coaching.
     
  •  4. „Wie Coaching wirkt“: Mit Beziehung, Vertrauen, Zielorientierung, Selbstreflexion, Reframing und Perspektivwechsel werden zentrale Wirkmechanismen im Coaching zusammengefasst. Plus: Nebenwirkungen und unerwünschte Effekte von Coaching.
     
  •  5. „Traumberuf Coach – über Anspruch, Verantwortung und Qualität“: Dieses Kapitel wendet sich explizit an Menschen, die in Betracht ziehen, eine Coaching-Ausbildung zu beginnen. Was sind Qualitätsmerkmale in der Ausbildung? Welche Ausrichtungen gibt es?
     
  •  6. „Zukunft des Coachings – Trends und Perspektiven“: Hier werden die Themen Digitalisierung, Virtual Reality, KI, und New Work behandelt.
     
  • 7. „Mit der Taschenlampe durch das Dickicht: Für Coaching-Klient:Innen“: Es geht um Fragen, wie finde ich einen guten Coach? Coaching, Mentoring, Training – was passt zu meinem Anliegen? Wie funktioniert Selbst-Coaching?

Die Autorinnen haben mit ihrem Buch eine übersichtliche Landkarte erstellt, die bestens sichtbar macht, wo professionelles Coaching in einem boomenden Markt zu verorten ist. Hätten Kellenbenz und Henkel darauf verzichten sollen, neben Coaches zusätzlich auch Coaching-Klienten ansprechen zu wollen? Tatsächlich ist aber auch Kapitel 7 – der Wegweiser für Privatpersonen mit Checklisten und Definitionen – durchaus hilfreich für Coaches , um besser zu verstehen, welche Fragen und Bedürfnisse potenzielle Klienten in der Entscheidungsphase für ein Coaching haben könnten. Einziger Kritikpunkt: Das Kapitel zu Digitalisierung, Virtual Reality, KI und New Work ist so allgemein gehalten, dass sich der praktische Nutzen in Grenzen hält. Das liegt allerdings bis zu einem gewissen Grad an der Komplexität dieser Themen – und ohne den Ausblick in die Zukunft des Coachings hätte dem Buch etwas gefehlt. 

Fazit: Eine sehr hilfreiche Handreichung für alle, die sich in der Ausbildung zum Coach befinden oder die überlegen, Coaching zum Beruf zu machen. Ebenso können erfahrene Coaches von der Lektüre profitieren: als Selbstvergewisserung, was systemisches Coaching im Kern ausmacht und/oder als Inspiration, wie sie das eigene professionelle Coaching in der Außenkommunikation noch besser sichtbar machen können.

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