Der Coaching-Markt wächst und verändert sich stetig. Die drei größten Zielgruppen von Coaching sind derzeit Privatpersonen, das mittlere Management in Konzernen sowie das Top-Management in kleineren und mittleren Unternehmen (siehe RAUEN Coaching-Marktanalyse 2024). Der Deutsche Coaching Verband (DCV) schätzt, dass es in Deutschland etwa 14.000 zertifizierte Coaches gibt (siehe DCV-Website). Diese haben in der Regel eine Ausbildung oder einen Zertifizierungsprozess bei einem der über 30 Coaching-Verbände abgeschlossen. Dazu kommen laut DCV schätzungsweise noch rund 40.000 Coaches ohne Zertifikat – wie viele es genau sind, ist unklar. Sicher ist: Ausbildung und Qualifikationen variieren stark, ebenso die ethischen Standards, denen sich Coaches verpflichtet fühlen. Daraus erwachsen spezifische Herausforderungen: Seriös arbeitende, qualifizierte Coaches müssen ihre Professionalität einmal mehr sichtbar machen und sich von Coaching-Angeboten abgrenzen, deren Geschäftsmodell im Extremfall auf sektenartigen Versprechen und aggressiven Verkaufsstrategien basiert. Dass die Berufsbezeichnung „Coach“ nicht geschützt ist, ist eine zusätzliche Widrigkeit.
Hier setzt der Band „Coaching? Ja, aber richtig!“ an. Auf 110 Seiten gelingt eine präzise Positionsbestimmung, was professionelles systemisches Coaching ausmacht. „Dieses Buch will Orientierung bieten, ein Kompass sein für Professionalität versus Blendwerk, und aufzeigen, wie groß das Potenzial von Coaching ist – wenn es auf fundierter, ethischer und menschenzentrierter Grundlage praktiziert wird“, schreiben die beiden Autorinnen (S. 8). Susanne Henkel und Astrid Kellenbenz sind systemische Coaches, Ausbilderinnen für systemisches Coaching, Gründerinnen der Online-Akademie Coachingbande sowie Gastgeberinnen des gleichnamigen Podcasts.
Das Buch ist in sieben Kapitel aufgeteilt:
Die Autorinnen haben mit ihrem Buch eine übersichtliche Landkarte erstellt, die bestens sichtbar macht, wo professionelles Coaching in einem boomenden Markt zu verorten ist. Hätten Kellenbenz und Henkel darauf verzichten sollen, neben Coaches zusätzlich auch Coaching-Klienten ansprechen zu wollen? Tatsächlich ist aber auch Kapitel 7 – der Wegweiser für Privatpersonen mit Checklisten und Definitionen – durchaus hilfreich für Coaches , um besser zu verstehen, welche Fragen und Bedürfnisse potenzielle Klienten in der Entscheidungsphase für ein Coaching haben könnten. Einziger Kritikpunkt: Das Kapitel zu Digitalisierung, Virtual Reality, KI und New Work ist so allgemein gehalten, dass sich der praktische Nutzen in Grenzen hält. Das liegt allerdings bis zu einem gewissen Grad an der Komplexität dieser Themen – und ohne den Ausblick in die Zukunft des Coachings hätte dem Buch etwas gefehlt.
Fazit: Eine sehr hilfreiche Handreichung für alle, die sich in der Ausbildung zum Coach befinden oder die überlegen, Coaching zum Beruf zu machen. Ebenso können erfahrene Coaches von der Lektüre profitieren: als Selbstvergewisserung, was systemisches Coaching im Kern ausmacht und/oder als Inspiration, wie sie das eigene professionelle Coaching in der Außenkommunikation noch besser sichtbar machen können.
Almut Siegert