Cover: Beraten in Bildern
Tobias Hochstrasser

Beraten in Bildern

Rezension von Andreas Broszio

4 Min.

Tobias Hochstrassers Buch „Beraten in Bildern. Wie bildhaftes Denken im Dialog aktiviert und genutzt werden kann“ hat mich durch seinen Titel angesprochen. Er enthält zwei Begriffe, die für meine berufliche Praxis im Kontext von Beratung, Training und Bildung zentral sind: Bilder und Dialog. Beide markieren zentrale Gelingensfaktoren für eine professionelle Coaching-Praxis, die hilfreiche Zugänge zu Wahrnehmung, Kommunikation und Veränderung eröffnen und eine erkenntniserschließende Thematisierung von Lebenspraxis ermöglichen. 

Mit einem Umfang von 108 Seiten ist das Buch kompakt gehalten. Gleichzeitig liegt darin eine besondere Stärke: Es konzentriert sich auf das Wesentliche. Dabei wird deutlich, wie Bilder ihre Wirksamkeit durch die Interaktion entfalten, die ein Betrachter oder eine Betrachterin mit ihnen gestaltet. Und bekanntermaßen findet ein Buch seinen Sinn nicht im Umfang, sondern im aktiven Lesen und im resonanten Aneignen des als Bedeutsam entdeckten. 

Der Autor formuliert ein ambitioniertes Ziel: „Dieses Buch hat – ausgehend von der wissenschaftlichen Herleitung bis zur Umsetzung in der Praxis – den Anspruch eines Standardwerks zur Arbeit mit dem Bildhaften.“ (S. 8) Damit weckt der Autor entsprechende Erwartungen. Ihm gelingt der angekündigte Brückenschlag von Wissenschaft zu Praxis, der als Leitbild für dieses Buches durchgehend klar erkennbar ist.  

Hochstrasser, selbstständiger systemischer Supervisor, legt sein Thema in einer klaren und plausiblen Struktur dar. Die Kapitelgliederung ist durchdacht und führt schrittweise vom Grundverständnis des Phänomens „Bild“ hin zur Gestaltung bildhafter Dialog- und Beratungsprozesse:

  1. In Bildern denken
  2. In Bildern beweglich bleiben
  3. In Bildern beraten
  4. Anwendung der Photolanguage
  5. Stolpersteine

Die ersten beiden Kapitel widmen sich der Einbettung des Themas in die Funktionslogik des Gehirns. Damit wird ein Rahmen geschaffen, der die Bedeutung bildhaften Denkens nachvollziehbar begründet.

Im dritten Kapitel rückt die Beratungspraxis in den Mittelpunkt, insbesondere im Kontext eines systemischen und hypnosystemischen Beratungsverständnisses. Hier wird deutlich, dass bildhafte Prozesse nicht als Add-on verstanden werden, sondern als eine Haltung, die den Dialog erweitert: „Bezieht der Dialog zwischen Beratenden und Beratenen verstärkt auch die bildhaften Inhalte letzterer mit ein, können sie nicht nur näher an ihrer Wirklichkeit unterstützt werden, sondern zusätzlich wird auch eine nachhaltige Wirkung auf Wahrnehmung oder Verhalten entfaltet […].“ (S. 31) Der Autor erläutert, „was es bedeutet das Bildhafte als übergeordnetes Handlungsprinzip auf die wichtigsten Aspekte der systemischen Beratungsgestaltung anzuwenden“ (S. 35). Er beschreibt zentrale Elemente einer entsprechend orientierten Beratungspraxis und nimmt dabei Aspekte wie „Motivierende Ziele“, „Dezentrieren“, „Pacing“, „Priming“ sowie „Ressourcenbilder“ in den Blick. Auch die Umsetzung bleibt nicht abstrakt: Hochstrasser gibt konkrete Hinweise zum Führen eines bildhaften Dialogs und berücksichtigt die „Körperreferenz“, bei der „der Körper aktiv als Entscheidungshilfe einbezogen wird“ (S. 45).

Das vierte Kapitel überführt die bisherigen Überlegungen in ein konkretes Anwendungskonzept. Auf dieser Grundlage stellt der Autor ein beraterisches Gesamtkonzept vor, in dem eine „Fotosammlung […] zur Photolanguage wird, wenn einzelne Fotografien gezielt zur breiten assoziativen Nutzung zusammengestellt werden“ (S. 48). Besonders hilfreich ist hierbei die Darstellung eines konkreten Prozessverlaufs inklusive Formulierungshilfen und Anwendungsbeispielen, die den Transfer in die eigene Praxis erleichtern.

Abgerundet wird das Buch durch ein Kapitel zu möglichen Stolpersteinen und einem Ausklang mit Reflexionseinladung an die Lesenden. 

Fazit: Ob das Buch tatsächlich den Status eines Standardwerks erhält, liegt bei den Lesenden. Diese müssen sich – im Sinne des Buchtitels – selbst ein Bild machen. Der Band bietet auf jeden Fall zahlreiche Anregungen, die insbesondere für Beratung, Coaching, Supervision sowie Bildungs- und Trainingskontexte eine Erweiterung des professionellen Repertoires ermöglichen. 

Nach oben