Alles außer Q: Das ABC der systemischen Beratung.

Rezension von Günther Mohr

Wo schaut man rein, wenn man sich zu einzelnen Begriffen des Systemischen schnell und kurz informieren will und in diesen Themen nicht schon tief drin ist? Dafür liegt jetzt mit „Alles außer Q. Das ABC der systemischen Beratung“ ein interessantes Nachschlagewerk vor. Von „Achtsamkeit“ bis „Zukunft“, alphabetisch angeordnet – mit Ausnahme des Q – werden Begriffe dargestellt, die mit der systemischen Beratung in Zusammenhang stehen. Kurze Beiträge auf zweieinhalb Seiten leisten dies. Es reicht von technischen Begriffen wie „Zirkularität“ bis „Rekursivität“, umfasst aber auch „Glück“, „Zeit“ und „Zukunft“.

33 Autoren präsentieren ein Nachschlagewerk aus insgesamt 100 Begriffen. Wenn unterschiedliche Autoren sich den Themen widmen, bedeutet dies auch unterschiedliche Schreibstile, manche mehr abstrakt, manche etwas literarisch wie bei „Theorie U“. Gleichwohl bekommt man jeweils auf zweieinhalb Seiten einen Einblick in einen Konzeptbegriff. Die Begriffe sind durch Pfeilhinweise untereinander vernetzt, wenn sich ein Terminus auf einen anderen bezieht. So kann man irgendwo anfangen zu lesen und sich weitertragen lassen. Zu jedem der 100 Begriffe werden für die Vertiefung zwei bis drei weiterführende Literaturhinweise präsentiert.

Systemisch an die Welt herangehen bedeutet ein Abschied vom linearen, hierarchisch geprägten Denken. Insofern ist eine unabhängige alphabetische Auflistung eine gute Abbildung des Perspektivischen in der Systemik. Für Ausbildungskandidaten in diesem Bereich und für Einsteiger liegt damit ein interessanter Fundus vor. Gefallen findet auch die bescheidene Art der Herausgeber. Sie räumen ein, dass ein Buch natürlich nicht alles abbilden kann, aber mir erscheint ihre Auswahl stimmig.

Mich verwunderte nur ein Begriff: „Buddhismus“. Co-Herausgeber und Autor Haiko Wandhoff begründet dessen Aufnahme mit der Übernahme vieler Techniken aus dem Buddhismus und der Sympathie der systemischen Erkenntnistheoretiker Humberto Maturana und Francisco Varela mit diesem Ansatz. Aus meiner Sicht geht es hier allerdings nicht um den Buddhismus, wie er aus westlicher Sicht als Religion eingestuft wird, sondern um im asiatischen Raum quer durch die Religionen und geistliche Richtungen gebräuchliche Mentaltechniken. Man sollte sie aus einer einseitigen religiösen Etikettierung herausnehmen.

Fazit: Insgesamt liegt ein Buch vor, das gerade für Ausbildungskandidaten zu Coaching, aber auch anderen Beratungsformen, ein interessantes Nachschlagewerk bildet. Auch für den Erfahrenen bietet es die Möglichkeit, die eigene Begriffsgewohnheit noch einmal zu überprüfen.


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