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Francine ten Hoedt, Marijke Lingsma

150 Karten für das Konflikt-Coaching. Spielerisch die Konfliktkompetenz verbessern

Rezension von Björn Rohde-Liebenau

2 Min.

„Die rote Linie“, „Mehr Respekt bitte“ und „Wenn es zum Streit kommt“ heißen die drei farblich markierten Kartensets, die mit der knappen Gebrauchsanweisung in der Box geliefert werden. In den Niederlanden erschien bereits 2005 eine erste Version dieses Kartensets, das seither angepasst und zugespitzt wurde, um sicherzustellen, dass es etwa in Schule und Familie ebenso leicht wie in der Arbeitswelt eingesetzt werden kann.

Wenngleich die Box kein Gesellschaftsspiel enthält – dafür ist der Inhalt doch zu nüchtern und zu anspruchsvoll –, erleichtert sie doch einen spielerischen Zugang zu Themen, die schwer und konfliktbeladen wirken. Spielerisch nutzen, dabei die eigene Persönlichkeit erkundend, lassen sich die Karten allein, zu zweit (auch „begleitet allein“) sowie in Kleingruppen. Als Spiel- bzw. Interventionsdauer ist jeweils mindestens eine halbe Stunde anzusetzen. Die mitgelieferte (und online abrufbare) Checkliste zur Erfassung der Konfliktfähigkeit zeigt Vertiefungsmöglichkeiten auf und kann Entwicklungen sichtbar machen, wenn sie mit zeitlichem Abstand mehrfach eingesetzt wird.

Wer die Karten für sich allein nutzt, erhält ein Tool zur Stärkung der Selbstwahrnehmung und des Konfliktbewusstseins. Mit regelmäßiger Übung lassen sich so über Wochen spürbare Fortschritte erzielen, die dann wiederum mit der Checkliste gemessen werden können. Für den Einsatz in der Gruppe erinnern die Schöpferinnen daran, dass es zunächst nicht darum geht, sich gegenseitig zu coachen, sondern sich selbst das eigene Verhalten und Alternativen bewusst zu machen und auch neu zu entwickeln. Selbst Feedback wird dabei vermieden. Erst in der letzten Runde und nach dem Spiel sind Feedback, Tipps und so etwas wie Coaching vorgesehen. Ein professioneller Coach kann die Karten also als Spielleiter ergänzend nach diesen Standardregeln einsetzen oder in einer Coaching-Situation einzelne Karten aus den drei Themensets herausgreifen und seinen Klienten daran arbeiten lassen.

Begleitend ist das Buch „Konflikt-Coaching“ von Francine ten Hoedt zu empfehlen, das den für den Einsatz der Karten wichtigen, wenn auch nicht zwingend nötigen Hintergrund und für Coaches nützliche Werkzeuge zur Analyse und Begleitung der Beteiligten im Konflikt liefert.

Fazit: Nicht nur Coaches, auch Psychologen und Teamentwickler sowie alle Konfliktbeteiligten finden hier einen spielerischen Zugang zur Erfassung und Stärkung eigener und fremder Konfliktkompetenzen sowie Ermutigung, auch einmal etwas ganz Anderes auszuprobieren, um Auswege aus verfahrenen Situationen zu finden.

Björn Rohde-Liebenau

Ombudsmann, Mediator und Coach
RCC@risk-communication.de