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Das RAUEN Coaching-Magazin - Interview mit Horst Rückle

 



Interview mit Horst Rückle (Ausgabe 1/2010)

Horst Rückle, Foto: Privat
DAS COACHING-INTERVIEW
 

Er kam vom Training zum Coaching. Denn Coaching fängt für ihn da an, wo das Training nicht wirkt. Er selbst ist ein Selfmademan, hat sich hochgearbeitet. Das ist ihm gelungen, weil er immer offen war für Neues, lernen und besser werden wollte. 1970 hat er das hr TEAM und 1977 die Horst Rückle Team GmbH gegründet. Das Unternehmen hat er vor elf Jahren verkauft, ist aber dessen Mentor geblieben. Er begleitet etliche Aufsichtsratsmandate und ist auch noch mit 70 Jahren nach wie vor ein gefragter Trainer, Berater, Redner und Coach.

Horst Rückle ist Industriekaufmann. 1970 gründete er das hr TEAM und 1977 die Horst Rückle Team GmbH, deren Mentor er nach 32-jähriger Führung nun ist. Rückle ist nach wie vor gefragter Trainer, Berater, Redner und Coach – und (stellvertretender) Aufsichtsratsvorsitzender mehrerer Aktiengesellschaften. Er hat mehr als zehn Bücher veröffentlicht, zuletzt „Körpersprache“ (ISBN: 978-3-478-54100-8) und „Coaching“ (ISBN: 978-3-478-38412-4).
 
 
Coaching-Magazin: Warum sind Sie eigentlich noch immer in Sachen Coaching unterwegs? Sie könnten sich doch ganz entspannt zurücklehnen ...

Horst Rückle: Weil ich nichts lieber tue, auch wenn ich vieles genauso gerne tue. Ich bekomme auch so viel positive Resonanz, dass ich denke, es wäre schade, wenn ich aufhörte. Das sage ich jetzt nicht aus Eitelkeit, sondern mit Blick auf Personen, die die Hilfe brauchen und gerne annehmen, die ihre Probleme mit jemanden besprechen möchten, der eben keine eigenen Interessen mehr hat. Junge Berater haben verständlicherweise ein starkes Interesse an Folgeaufträgen. Mit den Jahren und dem Aufbau von Vermögen lässt das nach; und im Alter sowieso. Warum soll ich also Anfragen ablehnen? 50 Prozent der Kunden kommen zu mir, ich habe einen halben Tag Arbeit, die andere Hälfte habe ich frei. Mir kann es doch nicht besser gehen.

Wie hat das angefangen? Welche Entwicklung haben Sie genommen, dass Sie heute als Coach auf eine solche Karriere zurückblicken können?

Ich bin gelernter Kaufmann. Der Weg zur Oberschule war mir versperrt. Ich gehöre ja noch der Kriegsgeneration an. Deshalb habe ich fünf Jahre Fernunterricht gemacht mit dem Abschluss „Geschäftsführer“. Mit 26 Jahren war ich dann – Mitte der 60er-Jahre – auch schon kaufmännischer Leiter einer Baufirma mit 400 Mitarbeitern. Ich habe aber gemerkt, die Arbeit, und vor allem die damit verbundene Bilanzbuchhaltertätigkeit, ist nicht das, was mich wirklich befriedigt. Wenn ich heute zurückblicke, muss ich sagen, meine damaligen Schwächen sind meine heutigen Stärken: nämlich gerne reden und unterwegs sein. Beides ist für einen Bilanzbuchhalter eher untypisch und nachteilig.

Aber da saßen Sie doch schon mal gut im Sattel ...

Deshalb ging ich nebenberuflich in den Außendienst. Dazu kam ich, weil uns ein Vertreter eines Abends eine Brockhaus-Enzyklopädie verkauft hat. Und der meinte, so wie er mich erlebt hätte, könnte ich mit Verkaufen auch gut Geld verdienen. Und das habe ich dann ausprobiert. Nach meiner Arbeit bin ich in Villengebiete gefahren, bin von Haus zu Haus gelaufen mit meinen zwei Taschen und habe verkauft. Und es hat mir Spaß gemacht! Meine Mutter ist fast verzweifelt an mir. Sie sagte: „Bub, Du hast doch so einen guten Beruf, Du musst doch nicht als Hausierer arbeiten!“

Die Ärmste ... Doch Sie hatte da schon das Jagdfieber gepackt?

Ich hatte mir inzwischen überlegt, ich könnte besser werden, wenn ich die Leute schon auf mein Kommen vorbereiten würde. Deshalb habe ich einen kleinen Brief an meine potenzielle Kundschaft entworfen. So bin ich also die eine Straßenseite hoch gelaufen zum Verkaufen und habe auf dem Rückweg den Brief eingeworfen, der sie auf mein Kommen am nächsten Tag vorbereitete. Und faszinierend: Die Kunden sagten: „Ach, Sie sind das, der uns gestern Abend den Brief eingeworfen hat?“ Und ich antwortete: „Ja, es war schon spät ...“. So vorbereitet sagten immer mehr Kunden: „Na, dann kommen Sie mal rein!“ Mein Entree war um soviel leichter geworden dadurch! Später habe ich angefangen, meine Kundengespräche auf Tonband aufzunehmen. Sonntagmittags habe ich das abgeschrieben, Wort für Wort. Als ich dann las, was ich gesagt hatte, was daraufhin der Kunde sagte, habe ich verstanden, welche Fehler ich machte. Daraufhin habe ich mir bessere Formulierungen ausgedacht, diese auf Band gesprochen und mir beim Autofahren immer wieder angehört. Nach einiger Zeit bemerkte ich, wie mein Umsatz stieg. Irgendwann war ich von 150 nebenberuflichen Verkäufern der beste und hatte einen fast doppelt so hohen Umsatz wie die Nummer Zwei. Da sprach mich mein Auftraggeber an, ob ich nicht hauptberuflich als Verkaufsleiter anfangen wolle.

Beeindruckend wie Sie die Selbstoptimierung betrieben haben: Klinken putzen – aber richtig!

Das hat mir wirklich Spaß gemacht. Und da habe ich dann sofort angefangen, meine Mitarbeiter zu trainieren. Und nach einiger Zeit waren wir in Süddeutschland besser als die bislang erfolgreichen norddeutschen Verkäufer. Prompt wurde ich von den Norddeutschen angesprochen, ich solle auch mit ihnen arbeiten. Das war so 1968/69, als mir klar wurde: Das wäre Dein Beruf! Aber ich fragte mich, kannst Du das auch in anderen Bereichen? So habe ich bei Daimler angerufen und gefragt, ob ich dort einmal einen Vortrag halten dürfe vor den Verkäufern. Ich durfte. Anschließend fragte mich der Daimler-Verkaufsleiter, ob ich einen Tag im Monat mit seinen Mitarbeitern arbeiten könnte. Das Gleiche habe ich mit der Dresdner Bank gemacht. Und 1970 war es dann so weit. Ich konnte mich als Trainer selbstständig machen mit Aufträgen dieser Unternehmen. Für die war ich gut zehn bis fünfzehn Jahre tätig. Für Daimler habe ich ein umfangreiches Trainingsprogramm für den PKW-Verkauf geschrieben. Bei der Dresdner Bank habe ich zunächst fast 10 Jahre die Wertpapierberater trainiert, anschließend unter der Schirmherrschaft des Vorstandssprechers das gesamte Führungskräftetraining entwickelt und realisiert. So ging das weiter, aus Weiterempfehlungen kam eine Firma nach der anderen.

Alle Achtung! Wie Sie das so Stein für Stein aufeinander aufgebaut und selbst entwickelt haben ...

Unser Psychologe, einer meiner ersten Mitarbeiter sagte mir einmal: „Das, was Sie da assoziiert und miteinander verknüpft haben, können Sie eigentlich gar nicht wissen“. Dabei lese ich außer Fachzeitschriften relativ wenig, meine Frau wird Ihnen das bestätigen. Ich habe – außer Romanen – in meinem Leben wahrscheinlich keine zehn Fachbücher gelesen. Aber von meinen Mitarbeitern, Philosophen, Psychologen, Betriebswirtschaftlern, Theologen und anderen habe ich viel gelernt als wir gemeinsam Trainingsprogramme entwickelt und realisiert haben.


Lesen Sie das komplette Interview in der Ausgabe 1/2010 des Coaching-Magazins.
 
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Inhalte der Ausgabe 1/2010 des Coaching-Magazins (Auszug):
 
Coaching-Magazin
  • Thomas Webers im Coaching-Interview mit Horst Rückle
  • Konzeption: Über den bewussten Einsatz der Intuition im Coaching (Mathias Blenke)
  • Praxis: Wenn einer eine Reise tut … Vorbereitungs-Coaching für Reiseleiter (Timo Hinrichsen)
  • Praxis: Wer soll in unseren Coach-Pool? Professionell Coachs auswählen (Heidi Reimer)
  • Spotlight: Coaching in turbulenten Zeiten. Was die Krise aus und mit Coaching macht (Dr. Karin von Schumann und Charlotte Goldstein)
  • Coaching-Tool: Mit "Gaben" die Wirksamkeit im beruflichen Alltag erhöhen (Juliane Delkeskamp)
  • Wissenschaft: Was geschieht in Coaching-Prozessen? Zur Rekonstruktion der "sozialen Grammatik" von Coaching (Prof. Dr. Harald Geißler)
  • Philosophie: Über die Kunst des Beobachtungsmanagements (Univ.-Prof. em. Dr. Dr. h.c. Siegfried J. Schmidt und Dr. Walter Schwertl)
  • Pro und Kontra: Life-Coaching (Dr. Elke Berninger-Schäfer und Günter Mohr)
  • Rezensionen: Lebenscoaching; Handbuch Systemisches Coaching; Life Balance und Selbststeuerungskompetenzen; Kuck mal, wer da coacht
  • Humor: Conrad Coach - Wenn der Markt nicht zum Coach kommt …
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