Coaching mit ACT und Introvision

Die integrierte Anwendung zweier achtsamkeitsbasierter Verfahren im Coaching

Coaching mit ACT und Introvision
© Foto: fizkes/Shutterstock.com

Wie kann auf belastendes Erleben, das z.B. aus Ängsten resultiert, reagiert werden – sollte man etwa dagegen ankämpfen, indem negative Erfahrungen umgedeutet werden? Oder problembehaftete Situationen schlicht meiden? Mit dem hier vorgestellten Coaching-Konzept, das die achtsamkeitsbasierten Verfahren ACT (Acceptance and Commitment Therapie) und Introvision miteinander kombiniert, wird ein anderer Weg aufgezeigt. Die Akzeptanz von Problemkontexten bildet dabei den Ausgangspunkt, Entlastung zu erzielen und Kompetenzen im Umgang mit den unangenehmen Emotionen zu entwickeln.

In den letzten Jahren ist die Zahl der Anwendungsfelder und Zielsetzungen von Coaching-Maßnahmen vielfältiger geworden. Es kommen neue Zielgruppen hinzu und die Methoden, die im Coaching zur Anwendung kommen, haben sich weit aufgefächert. Angrenzende Verfahren haben die Vorgehensweisen im Coaching beeinflusst und bereichert.

Eine besonders enge Verbindung besteht zwischen Coaching und Psychotherapie. In beiden Verfahren wird eine Veränderung des Verhaltens, Fühlens und Denkens angestrebt. Die Entwicklung solcher Veränderungsmethoden geschah historisch gesehen vorwiegend im psychotherapeutischen Umfeld. Gerade heute, wo die psychotherapeutische Methodik von sprunghaft anwachsenden wissenschaftlich-empirischen Erkenntnissen profitiert (z.B. aus den Neurowissenschaften), kommen dem Coaching viele neue methodische Entwicklungen aus der Psychotherapie zugute.

Paradigmenwechsel in der Psychotherapie

Ein Wandel, der hier besondere Beachtung verdient, ist die sogenannte „dritte Welle in der Verhaltenstherapie“. Bei den ersten Schritten in der „klassischen Verhaltenstherapie“ stand die Lerntheorie Pate. Man betrachtete also menschliches Verhalten vorwiegend als durch Konditionierung bedingtes Reagieren auf äußere oder innere Reize. In dieser Phase sahen Verhaltenstherapeuten von dem Versuch ab, intrapsychische Vorgänge zu erschließen – diese galten also als „Blackbox“.

In der zweiten Welle überwand man diese Grenze und bezog in der „kognitiven Verhaltenstherapie“ innerpsychisches Geschehen in das therapeutische Vorgehen mit ein. Begriffe wie Gefühl, Motivation, Persönlichkeit, Eigenschaften gehörten nun ebenfalls zum Vokabular und wurden auch Gegenstand des therapeutischen Handelns. Diese Methodik bildet heute den Mainstream in der Verhaltenstherapie.

In der dritten Welle wandeln sich die Ziele und Mittel des therapeutischen Vorgehens ein weiteres Mal. In den zahlreichen Fällen, in denen man Patienten durch die gängigen Therapieansätze psychischen Schmerz nicht nehmen kann, versucht man nun eher, Kompetenzen im Umgang mit unvermeidlichem Leid zu entwickeln. Man denke an einen Menschen, der eine geliebte Person durch Krankheit oder Unfall verloren hat. Wäre es wirklich sinnvoll, diesem Menschen die Trauer zu ersparen, weil er unter ihr leidet? Selbst wenn dies möglich wäre, woher nähme man die Sicherheit, dass diese leidvolle Trauerzeit nicht ein integraler Bestandteil der notwendigen Traumaverarbeitung ist und somit die Bewältigung dieser Lebenskrise erst ermöglicht?

Und könnte es nicht sein, dass das ständige Bemühen, negatives Erleben loszuwerden oder abzuschwächen, uns gerade an dieses Erleben bindet? Hält uns das Grübeln und nach Auswegen Suchen – also die fortwährende Beschäftigung unserer „Denkmaschine“ mit dem beklagten Umstand – sogar eher in unserer Problematik gefangen, anstatt uns zu befreien? So wäre unser Widerstand gegen eine negative Erfahrung vielleicht nicht Teil der Lösung, sondern eher ein aufrechterhaltender Teil des Problems.

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